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Alt 14. July 2010, 20:23   #1
JamaicaJoe
Underground
 
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Standard Hat jemand "Liebesleben" gesehen?

Das Regiedebüt von Maria Schrader (u.a. Aimee & Jaguar) handelt von der jungen israelischen Studentin Jara, die intelligent, gut situiert, an sich glücklich verheiratet ist, und deren Leben dennoch aus den Fugen gerät, als sie einem ca. 60jährigen Bekannten ihres Vaters verfällt.

Am Tag, da jener Bekannte (Arie) in ihr Leben tritt, torpediert er mit seiner Ankunft (ungewollt) ein liebevoll angerichtetes Picknick zur Feier des Geburtstags ihres Vaters und starrt sie nur dämlich an. Dennoch löst er etwas in ihr aus, sie rennt ihm bei jeder Gelegenheit nach und lässt sich nun ja, durchvögeln bzw. demütigen. Dabei ist Arie wie er selbst sagt, satt und lebensmüde. Zudem ist er auch noch schroff, gleichgültig und nicht einmal charmant! Einziger Pluspunkt: Lebenserfahrung! Erstaunlicherweise zeigt er sich bei den jungen Dingern noch ziemlich lebendig, so kommt er bei einer Familienfeier mit einer ebenso jungen Gespielin. Später kommt raus, dass Arie eigentlich die erste Wahl ihrer Mutter gewesen wäre, er sie jedoch (u.a. wg. der Unfähigkeit, Kinder zu zeugen) abgewiesen hatte.

Während Jara mit ihrem hübschen Äußeren und nettem Wesen lange Zeit punkten konnte, und man ihr einiges verzeiht, verliert sie (bei mir) sämtliche Sympathien, als sie die goldene Brücke, die ihr fürsorglicher, anständiger Mann Joni, der die Affäre ahnt, mit einer verspäteten Hochzeitsreise zu bauen versucht, einreißt, als Arie mit dem Finger schnippt und nach ihr verlangt, weil er nach dem Tod seiner schwerkranken Frau alleine dasteht.

Es kommt sogar noch besser: Sie lässt sich bei ihm im Schlafzimmer einsperren und kann nur mit Mühe ein peinliches Aufeinanertreffen mit ihren Eltern vermeiden. Obwohl sie darüber sehr verärgert ist und ihm dies auch mit Geschirr zerdeppern deutlich zeigt, verzeiht sie ihm abermals! (Was will sie nur mit diesem alten Sack!!!??)

Der Schluss bleibt offen, die Beziehung zu ihren Eltern erscheint nun in etwas anderem Licht, jedoch sieht es keineswegs so aus, als wolle sie Joni zurückgewinnen. Lediglich ihr Studium nimmt sie wieder ehrgeiziger in Angriff.
Jara nennt das "meine persönlichen Flitterwochen"

Okay, da sind jetzt einige Wertungen von mir dabei, aber ohne geht es auch kaum. Für mich ein zwar interessant gemachter Film, da eine andere Kultur beleuchtet wird - auch mit optisch gut gemachten Bildern von Jerusalem und Teilen Israels - die Story ist vom Ausgangspunkt gut durchdacht, die Rollen überwiegend gut gespielt, die Motive von Jara kann ich aber nicht ganz nachvollziehen und das Ende ist sehr unbefriedigend. So ganz weiß ich nicht genau, was Autorin und Regisseurin mit diesem Film wollten. Soll hier ein Ödipus-Komplex näher beleuchtet werden? Wird am Ende gar ein Bezug zum sog. Borderline-Syndrom hergestellt? Sollen die Beziehungen (wie der RollingStone-Filmkritiker meinte) eine Metapher für den Israel-Konflikt sein?? Ich glaube, hier hat der Kollege überinterpretiert, soo gewieft und clever ist die Schrader auch wieder nicht!

Wer hat eine Meinung zu diesem Film? Bin sehr dankbar für Reaktionen!

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