08.06.2020 | Die ROCK ANTENNE Motorradtour Neue Regeln für Motorradfahrer: Kommt das Fahrverbot an Sonn- & Feiertagen?

Lärmbegrenzungen, Tuningregeln und Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen für Motorräder: Der Bundesrat hat in einer Beschlussvorlage härtere Regeln für Motorradfahrer vorgeschlagen.

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Mitte Mai hat der Bundestag eine Beschlussvorlage erarbeitet, die vor allem bei Motorradfahrer für viel Diskussionsstoff sorgt. Worum es geht und was das für alle Biker/innen bedeuten könnte, haben wir hier für euch zusammengefasst. 

Lautstärke steht im Fokus

Zentraler Punkt ist eine Lärmverordnung. Demnach dürfen alle neu zugelassenen Motorräder dann maximal 80 Dezibel laut sein - das entspricht in etwa der Lautstärke eines Rasenmähers. Damit sollen vor allem Anwohner an beliebten Motorradstrecken geschützt werden. Auch Tuning soll künftig stärker bestraft werden, wenn dadurch der Lärmpegel der Maschinen erheblich steigt.

Polizei soll Motorräder sicherstellen dürfen

Umstritten ist auch ein weiterer Punkt: Wie aus der Beschlussvorlage hervor geht, sollen Polizisten die Motorräder bei festgestellter Lärmüberschreitung an Ort und Stelle beschlagnahmen dürfen.

Kommt ein Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen?

Des weiteren enthält die Vorlage den Vorschlag, ein grundlegendes Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen für Motorräder einzuführen. Motorräder mit alternativen Antriebsformen, also zum Beispiel Elektro-Motorräder, sollen von der Regelung ausgenommen sein.

Das Verkehrsministerium in Baden-Württemberg unterstützt diesen Vorschlag. Das bayerische Verkehrsministerium hat sich auf Anfrage noch nicht zur Sachlage geäußert.

Petition bekommt viel Zuspruch

Während Umweltverbände wie der BUND die Vorschläge begrüßen, kommt vor allem von den Motorradfahrern viel Kritik. Aus diesem Grund wurde auch eine Onlinepetition gestartet, die sich vor allem gegen die drohenden Fahrverbote einsetzt. Zum aktuellen Zeitpunkt (08. Juni 2020) haben sich schon über 158.000 Unterzeichner gefunden. Damit ist die Grenze von 50.000 Unterschriften deutlich überschritten, sodass sich der Petitionsausschuss des Bundestages in einer öffentlichen Sitzung über die Frage beraten muss.

Auch zum Beispiel der ADAC lehnt eine pauschale Forderung nach Verkehrsverboten ab. ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand dazu: "Nach unseren Kenntnissen ist die überwiegende Mehrheit der Motorradfahrer ordnungsgemäß unterwegs. Aufgrund einiger weniger 'schwarzer Schafe' Kollektivstrafen zu verhängen, wie sie etwa eine Streckensperrung darstellt, ist nicht angemessen." Mobilität und besserer Lärmschutz - beides sei möglich. Der Club schlägt z.B. Maßnahmen wie eine erhöhte Kontrolldichte und Ausstattung der Polizei mit Schallpegelmessgeräten vor, ebenso wie die Ahndung von bewusster Lärmverursachung (z.B. mit manipulierten Auspuffanlagen). Ebenfalls könne man mit Lärmdisplays und gezielten Appellen zu einer besonneneren Fahrweise ein Bewusstsein bei den Bikern schaffen, ohne Verbote aussprechen zu müssen.