31.07.2014 | Das war Wacken 2014 - Tagebuch eines Wacken-Frischlings Resis RockBlog: Tag 2 auf dem W:O:A 2014

Liebe Metalheads,
was es heute alles zu erzählen gibt! Ein ganzes Dorf im Metal-Fieber, eine Welt für sich, eine legendäre Feuerwehrkapelle, bayrische Bierzeltstimmung im hohen Norden, Wacken-Romantik und, und, und. Aber eins nach dem anderen.

Resis RockBlog: Tag 2 auf dem W:O:A 2014

Mittwoch, 15:00 Uhr

Wir ziehen los auf Erkundungstour ins benachbarte Dörfchen. Bereits der Weg ins Zentrum verrät, dass hier wirklich jeder im Wacken-Fieber ist. An jedem zweiten Haus hängt eine Fahne, ein Plakat oder irgendetwas anderes, das darauf hinweist, dass die Bewohner stolz sind auf das was hier jedes Jahr zigtausende Menschen aus aller Welt anlockt.

16:00 Uhr

Staunend spazieren wir die Hauptstraße entlang. So etwas haben wir tatsächlich noch nie erlebt. Die Dorfbewohner haben ihre Vorgärten in Biergärten umgewandelt, man sitzt gemütlich zusammen, trinkt Bier und bestaunt das vorbeilaufende Kuriosum. Im klassischen Festivalstyle reiht sich ein Verkaufs- und Essensstand an den anderen, ein Obi-Marktstand verkauft von Absperrband bis Zelte alles, was man zum Camping eben so brauchen kann. Wer möchte, kann per Postkarte ein wenig „Erde aus Wacken“ verschicken, oder sich von Kindern aus dem Dorf per Kettcar-Taxi seine Einkäufe bis zum Zelt fahren lassen. Die Stimmung ist bombastisch. Jeder grüßt jeden, jeder ist willkommen, und wer einmal laut „Wacken“ ruft, dem schallt von allen Seiten in zehnfacher Lautstärke „WACKÖÖÖÖN“ entgegen. Vor uns trägt ein Metal-Daddy seinen kleinen Sohn  (natürlich im Wacken-Shirt) auf den Schultern, eine vorbeilaufende junge Frau winkt – und der Kleine reckt ihr frech eine astreine Pommesgabel entgegen. Früh übt sich!

18:00 Uhr

Wir wagen uns nun einmal das Festivalgelände. Mindestens jeder zweite trägt ein Wacken-Shirt, der Rest hat sich in Bandklamotten geworfen. Tausende gestiefelte Füße sorgen dafür, dass eine große Staubglocke über dem Gelände schwebt. Doch die untergehende Sonne und eben dieser Staub schaffen eine ganz besondere Atmosphäre – man darf hier wohl ruhigen Gewissens von Wacken-Romantik sprechen. Heute ist noch kein Betrieb auf den großen Bühnen, doch das Wacken-Wunderland hat noch viel mehr zu bieten. Auf dem Moviefield wird grade der Film von Ronnie James Dio’s Auftritt 2004 auf dem Wacken gezeigt – und die echten Fans feiern bei Videoaufnahmen genauso mit wie damals live. An den vielen Verkaufsständen kann von Asia-Nudeln bis „Wacken Nacken“ einfach alles bekommen, was der Magen begehrt; natürlich gibt es Bier (echte Metalheads gönnen sich gerne mal eins im praktischen Ein-Liter-Becher), wer möchte, kann sich zur Abwechslung aber auch mal einen Krug Met oder  eine Original Wacken Erdbeerrrr Bowlöööö gönnen. Zahlreiche Stände bieten alles was man braucht, und genauso viele Dinge die man nicht braucht, aber schön sind. Die Schlange vor dem offiziellen Wacken-Merchandise-Stand ist unfassbar lang, doch die Metalheads warten geduldig (ein guter Tipp: einfach Spielkarten mitnehmen). Auch ein Highlight: das Pfahlsitzen. Wer sich im Vorfeld angemeldet hat, darf sechs Stunden auf einer Art Totempfahl Platz nehmen. Alle zwei Stunden gibt’s eine kleine Pause, hier ist Zeit für dringende Geschäfte oder einen kleinen Snack – und wer durchhält, bekommt als Preis einen Upgrade zum V.I.P.-Pass.

20:00 Uhr

Die W:O:A Firefighters eröffnen wie jedes Jahr am Mittwochabend das Festival. Seit 2000 ist das Tradition, die Feuerwehrkapelle des Dorfes ist mittlerweile weltweit bekannt und hat längst Kultstatus erreicht. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Tausende vor der kleinen Bühne stehen und bei Hits wie „Rosamunde“ mitfeiern.

21:00 Uhr

Eine Mordsgaudi, wie man in Bayern sagen würde, ist auch das was als nächstes kommt: Die Blechblosn bringen nämlich urbayrische Bierzeltstimmung hierher in den hohen Norden. Es ist ein Bild für die Götter, wie sich die kuttentragenden Metalheads in den Armen liegen und munter mitschunkeln, Sirtaki tanzen, und direkt im Anschluss wieder zu ZZ Top und Billy Idol abrocken. Besser kann ein erster Abend hier gar nicht sein.

Danach treffen wir noch auf ein paar Jungs, die uns erzählen, dass sie von der deutschen Federballnationalmannschaft sind, und bereits neun Mal die Federball-WM gewonnen haben. Sie haben sogar Fotos dabei und verteilen fröhlich „Autogrammkarten“. Wir fallen zwar nicht darauf rein, ziehen aber unsren Hut vor so viel Kreativität!

Um Mitternacht, während Wacken noch lange nicht ans Schlafengehen denkt, geht’s für uns zurück zum Zelt. Die Fahrt hängt uns immer noch ein wenig in den Knochen, und wir wollen schließlich fit sein für die ersten großen Bands.

Donnerstag, 08:00 Uhr

Nach einer Nacht, in der wir so gut (und lange) geschlafen haben wie selten auf einem Festival, geht’s erst mal ganz un-metal-like zum Duschen. Man kann allerdings feststellen, dass Festival-Duschen immer mehr soziale Akzeptanz findet – interessanterweise ist auch die Schlange bei den Männern heute Morgen länger als bei den Frauen. Als wir uns nur wenig später gerade den obligatorischen Guten-Morgen-Kaffee kochen, gibt’s den ersten Platzregen. Eine gute Gelegenheit, die Nachbarn kennenzulernen, die uns netterweise einen Platz unter ihrem Pavillon anbieten.

Der Regen ist aber bald vorüber, und nach getaner Arbeit ziehen wir nun langsam wieder los aufs Festivalgelände. Heute geht’s immerhin so richtig los!  

Bis morgen, Keep on wackin‘,
Eure Teresa