01.08.2014 | Das war Wacken 2014 - Tagebuch eines Wacken-Frischlings Resis RockBlog: Tag 3 auf dem W:O:A 2014

Moin ihr Kriegerinnen und Krieger Odins!
Tag 3 und wir kommen uns immer noch vor wie kleine Kinder an Weihnachten hier auf dem Wacken Open Air. Heute gibt’s skurriles, (mehr oder weniger) lustiges, episches, und LAUTES.

Resis RockBlog: Tag 3 auf dem W:O:A 2014

Donnerstag, 14:30 Uhr

Wacken ist offensichtlich nicht nur eine Wunder-Welt, sondern eigentlich ein ganzes Universum. Wo sonst kann man vom Heavy-Metal-Konzert  mit nur wenigen Schritten mitten in ein mittelalterliches Zeltdorf gelangen? An offenen Feuerstellen sitzen Metalheads und trinken Met aus Hörnern, eine junge Frau im Mittelaltergewand läuft vorbei, das Glöckchenband an ihrem Fußgelenk klingt bei jedem Schritt. An den Ständen gibt es Ledergürtel und metallischen Schmuck. Auf der Wackinger Stage geben gerade die Mannen von Vogelfrey ein wenig Folk-Rock-Metal zum Besten. 

Wir drehen uns um, und stehen vor dem nächsten Spektakel: die Wasteland-Stage präsentiert uns ein apokalyptisches Endzeit-Szenario. Überall Metall, Rost, Dreck, Müll, kunstvoll in Szene gesetzt. Aus verrosteten Motorrädern wurden wahre Kunstwerke, die Wasteland-Bewohner sehen aus wie aus „Mad Max“ entsprungen. Bedrohlich stehen sie da, und werfen grimmige Blicke in Richtung der staunend vorbeilaufenden Menge. Der Schein trügt allerdings, die grimmigen Endzeitler sind unter ihrer Kostümierung supernett. Gerne posieren sie mit jedem für ein Foto und beantworten auch unsre neugierigen Fragen.

15:45 Uhr

Die Band Skyline spielt auf der Black Stage auf. So ging’s nämlich los mit dem Wacken Open Air, damals vor 25 Jahren: Die Band mit Festivalgründer Thomas Jensen wollte gerne auftreten, man wusste nicht genau wo – und so entstand die Idee, eben ein eigenes Festival zu gründen. Und was daraus geworden ist, ist ja mittlerweile (nicht nur länder-, sondern auch genreübergreifend) bekannt: Aus damals knapp 800 Besuchern sind mittlerweile über 75.000 Begeisterte aus aller Welt geworden, wo damals noch sechs mehr oder weniger bekannten deutsche Bands spielten, geben sich heute nationale und internationale Hard Rock- und Heavy Metal-Ikonen das Mikrofon in die Hand.

Skyline lädt jedes Jahr einen Special Guest ein – wir haben uns sagen lassen, dass das fast immer Doro ist,  und sind dann dementsprechend ein wenig enttäuscht als nicht die Queen of Heavy Metal höchstpersönlich auf die Bühne kommt. Doch die Überraschung folgt dann in der Umbaupause. Die Jägermeister Blaskapelle spielt einen wilden und lustigen Mix aus allen möglichen Songs, und zum krönenden Abschluss kommt sie dann also doch noch: das blonde Energiebündel Doro Pesch, die dieses Jahr ihren 50. Geburtstag gefeiert hat, und alle stimmen mit ein bei „All we are“.

17:00 Uhr

Genauso vielfältig wie die Schauplätze und die Besucher ist auch das Programm hier auf dem Festival. Als nächstes stürmt Bülent Ceylan auf die Bühne – und zwar mit Feuerwerk und Flammenshow. Der Comedian mit den schönsten Haaren Deutschlands tritt bereits zum zweiten Mal auf diesem Boden auf. Und freut sich sichtlich hier zu sein. So feuert er vor tausenden Metalheads einen Gag und eine Stichflamme nach der anderen ab. Zum Schluss gibt’s noch einen Anti-Nazi-Song, bei dem alle ganz laut mitsingen. Alle machen nur zu gerne deutlich, dass braun hier auf dem Wacken höchstens in Form von Staub, Erde und Schlamm auf dem Boden akzeptabel ist.

18:00 Uhr

Von „Haardrock“-Comedy geht es nun zu wieder zurück zu klassischem Power Metal mit den Schweden von Hammerfall. Joacim Cans schreit uns seine Songs entgegen, das Publikum schwingt begeistert seine Mähnen und den ein oder anderen mitgebrachten Plastikhammer, und wir lassen uns nur zu gerne mitreißen von der ganzen puren Epik, die in der Luft hängt.

19:30 Uhr

Von Wikinger-Pathos geht’s mit dem Bühnenwechsel nun zu Glitzer- und Haarspray-Wahnsinn mit „Steel Fucking Panther“. Die vier Musiker aus Los Angeles sind einfach nur durchgeknallt, das lässt sich auf den ersten Blick sagen. Wallende Mähnen, hautenge lila Glitzerleggins, ein pinker strassbesetzter Spiegel, mit dem sich Bassist Lexxi Fox wieder und wieder den Lipgloss oder den Lidstrich nachzieht, bunte Gitarren – es ist einfach nur ein riesengroßes, kunterbuntes Spektakel. Steel Panther mögen ihre deutschen Fans, das betonen sie wieder und wieder, und haben extra für uns ein paar Wörter gelernt. Gitarrist Satchel fordert uns jedenfalls absolut akzent- und fehlerfrei auf, gewisse Körperteile freizulegen. Und tatsächlich, so viele nackte Oberkörper sieht man wohl selten auf einem Fleck.

Und Wacken wäre wohl nicht Wacken, wenn nicht auch einige Steel-Panther-Gedächtnis-Glam-Metaler hier herumspazieren würden. So dauert es nicht lange (genauer gesagt ungefähr 10 Minuten) und wir treffen auf eine Gruppe solcher Spaßvögel, mit denen wir uns natürlich gleich anfreunden. Das Beste daran: Die Vier kannten sich selbst vorher noch nicht, und haben sich nur kennengelernt, weil sie eben alle im Steel-Panther-Style unterwegs waren. Aber so ist das hier auf Wacken, neue Freunde sind stets schnell gefunden.

Gemeinsam ziehen wir dann noch weiter zu Saxon und Accept, die als letzte Bands für heute die großen Bühnen rocken. Gemütlich setzen wir uns etwas weiter hinten auf die Wiese, und genießen mal aus dieser Perspektive die Shows. Schöner könnte es fast nicht sein, als hier und jetzt unter dem Sternenhimmel zu sitzen mit einem kühlen Bier in der Hand, vor uns zigtausende Metalheads, die ihre Idole feiern, und natürlich die Bühne in all ihrer Pracht und Pyrotechnik. Reine Wacken-Romantik eben.

Zufrieden besuchen wir danach noch Freunde aus Ingolstadt auf dem Campground, lassen den Tag dort mit etwas Spiel und Spaß ausklingen, und machen uns dann langsam auf den Weg zurück zu unsrem Camp.

Freitag, 09:00 Uhr

Nach erfolgreichem Erledigen der Morgenrituale (diesmal tatsächlich ohne kleine Regenpause) starten wir tiefenentspannt in den neuen Tag. Die Zeit verfliegt nur so hier im Wacken-Universum! Die Sonne strahlt vom Himmel herunter, als würde sie dafür bezahlt – wohl dem, der doch nicht nur schwarze Sachen in den Rucksack gepackt hat. „Der Wettergott muss aus Wacken sein“, das hat gestern schon einer der Veranstalter gesagt. Allerdings hätten wir nicht unbedingt mit so einem Traumwetter gerechnet, ist das doch ein krasser Gegensatz zu den Bildern, die wohl am legendärsten und berüchtigtsten sind: von Menschen die sich über und über und über mit Schlamm bedeckt quietschvergnügt im Schlamm wälzen.

Heute stehen wieder einige Highlights auf dem Tagesplan, d.h. nach dem obligatorischen Dosen-Ravioli-und-Bier-Mittagessen ziehen wir nun schon bald wieder vergnügter Dinge in Richtung des Holy Wacken Land.

Die allermetallischsten Grüße aus Wacken,
Eure Teresa