02.08.2014 | Das war Wacken 2014 - Tagebuch eines Wacken-Frischlings Resis RockBlog: Tag 4 auf dem W:O:A 2014

Guten Morgen liebe Rockerinnen und Rocker,
neuer Tag – neuer Metal! Weiter geht’s mit meinem Bericht für euch vom Wacken Open Air 2014. Heute mit dabei: Zeltstadt-Flair, viel Geschrei, Staub, Hitze, wieder einmal etwas Wacken-Romantik, und dann eine Legende mit Cowboyhut und Sonnenbrille.

Resis RockBlog: Tag 4 auf dem W:O:A 2014

Freitag, 14:00 Uhr

Wir erkunden heute mal den Campground. So weit das Auge reicht reiht sich Auto an Auto, Zelt an Zelt, Campingstuhl an Campingstuhl. Allein eine Wanderung durch diese Zeltstadt ist eine kleine Sensation für sich, die „Bewohner“ vom Wacken haben wirklich an ALLES gedacht. Man sieht lustige Gefährte, und vor allem viele lustige Leute. So trifft man einen Dino in Kutte, Einhörner, Piraten, Wikinger, und was nicht noch alles. Und egal wo man hinkommt, jeder ist gut drauf. Das ist überhaupt etwas Faszinierendes an diesem Festival, egal wo man hinkommt fühlt man sich willkommen. Wir treffen Peter aus Australien, der für drei Wochen Urlaub in Europa macht und dabei auch einen Stopp hier in Wacken eingelegt hat. Die Frage, ob es nicht seltsam sei hier so ganz allein unterwegs zu sein verneint er, man sei hier doch nie lange allein. Und das stimmt, neue Freunde sind hier immer schnell gefunden. Viele der Gruppen hier haben sich teilweise schon vor Jahren hier auf Wacken kennengelernt, und man trifft sich seitdem jedes Jahr. Musik verbindet eben!

15.30 Uhr

Bei Bring me the Horizon zeigt sich, dass auch auf dem wahrscheinlich größten Metal-Festival der Welt die Technik manchmal einfach nicht das macht, was sie soll. Sänger Olli Sykes schreit zwar raus, was er kann, aber wenn das Mikrofon zickt wird’s trotzdem schwierig. Die Menge nimmt’s aber gelassen, die Lücken werden einfach mit den Stimmen von zigtausend Menschen gefüllt.

16:45 Uhr

Dumpfe Basstrommeln dröhnen und bringen die Haut zum vibrieren, der aufgewirbelte Staub von tausenden Füßen schiebt sich wie ein Schleier vor die sengende Sonne, im gleißenden Licht sieht man zuckende Körper, die sich im Takt der brachialen Musik bewegen, vor ihnen springt ein schwarz-rot gekleideter Mann auf und ab und schreit kaum verständliche Beschwörungen in die Menge. Die Meute, wie hypnotisiert, antwortet mit einem dumpfen, tiefen „Hua! Hua!“, jeder streckt die geballte Faust mit abgespreiztem Zeige- und kleinen Finger rhythmisch dazu in die Luft. Ist es Hexerei? Schwarze Magie? Teufelsverehrung? – Nein, das ist das Konzert von Heaven Shall Burn auf dem W:O:A. Die Jungs aus Saalfeld an der Saale wissen, wie man die Leute zum Tanzen bringt, und wenn Sänger Marcus Bischoff uns auffordert, mit einer Staubwolke die Sonne zu verdunkeln, dann tun wir das auch. Es ist übrigens wirklich ziemlich heiß, und der Schweiß vermischt sich mit dem Staub zu einer wahren Full Metal Kriegsbemalung.

19:30 Uhr

Der Abend neigt sich über Wacken, die tagsüber noch gnadenlos herunter scheinende Sonne geht nun langsam unter und spendet uns die perfekte Kulisse für Apocalyptica. Zum Klang von Geigen, Cello, E-Gitarren und Schlagzeug genießen wir zur Feier des Tages – heute ist immerhin der Internationale Tag des Bieres – ein Bier in der angemessenen Metalhead-Größe (großer Durst erfordert nämlich große Gefäße, und weil man in Wacken auf alles vorbereitet ist, gibt’s hier hopfenhaltige Kaltgetränke auch im Ein-Liter-Becher). Und da ist sie wieder, diese berühmt-berüchtigte Wacken-Romantik. Denn wie soll es anders sein, dann stimmen die Männer mit den wallenden Mähnen auf der Bühne auch gleich „Nothing Else Matters“ an. Man weiß nicht was es ist, der Himmel, die Hölle, oder meinetwegen auch Valhalla, aber man möchte, dass es nie aufhört.

21:00 Uhr

Die Spannung vor Motörhead ist beinahe greifbar, man sieht fast wie sich jeder fragt, ob Lemmy wohl diesmal durchhalten wird. Auf der Videoleinwand taucht in der Menge ein Schild auf, auf dem steht: „Lemmy, don’t die!“ Und dann steht er vor dem Mikrofon, wie immer gut behütet und mit Sonnenbrille, und krächzt auf seine unverwechselbare Art und Weise: „Hello again! We are Motörhead, and we play Rock’n’Roll.“ Und genau das tun sie für die nächsten 75 Minuten. Mr. Kilmister gibt sich zwar gewohnt lässig und lässt sich nicht direkt anmerken, was er in letzter Zeit durchgemacht hat, doch spürbar ist es schon an den gelegentlichen Seitenblicken seiner Bandkollegen, und vor allem den Fans, die öfter „Lemmy, Lemmy!“ rufen als „Motörhead, Motörhead.“ Und plötzlich steht dann wieder Doro auf der Bühne, singt mit bei „Killed by Death“ und entlockt dem coolsten Rocker unter der Sonne dann sogar noch ein Lächeln.

22:30 Uhr

Nach dem Konzert kaufen wir uns noch schnell ein Festival-Bandshirt, als Erinnerung und natürlich auch, damit wir nächstes Jahr auch mitspielen können beim großen Wacken-Shirt-Schaulaufen hier. Unsren vorletzten Abend auf dem Wacken lassen wir dann auf dem Zeltplatz ausklingen, stilecht mit Dosenbier im Campingstuhl unter Sternenhimmel. Die Jungs zücken die Gitarre, und alle singen fröhlich mit. Die Zeit verfliegt, plötzlich ist es halb Vier morgens, und wir fallen erschöpft aber glücklich in unsere Schlafsäcke.

Samstag, 08:30 Uhr

Früher als wir es gerne hätten verlassen wir notgedrungen unsre Zeltsauna, und läuten unseren letzten Tag hier ein. Nach dem Duschen müssen wir leider feststellen, dass die Hälfte unsrer Bräune doch nur Dreck war, aber es bleibt uns ja zum Glück noch ein Tag.

Von dem gibt’s dann morgen noch ein letztes Mal was von mir.

Keep on rockin,
Eure Teresa