Grundlegendes zuerst: Ein paar Survival-Tipps für Festival-Besucher

Wie kommt man zum Festival? Was sollte man unbedingt mitnehmen? Wie hält man sein Bier am besten kühl? Und was ist mit dem Thema "Sicherheit"? Wir geben ein paar Survival-Tipps!

Anreise

  • Generell gilt: Jedem das Seine. Wer möchte, kann im Wohnmobil anreisen oder doch die bequeme Hotel-Übernachtungs-Variante wählen. Die große Mehrheit der Festivalbesucher campt allerdings – je nach Festival mehr oder weniger luxuriös.
    Man sollte zuerst prüfen, ob man bei dem Festival seiner Wahl mit dem Auto aufs Campinggelände fahren darf oder nicht, denn das beeinflusst die Planung schon ziemlich. Kann man mit dem Auto direkt reinfahren, kann man das Auto sorgenfrei bis obenhin vollpacken. Die aufblasbare Palme soll mit? Kein Problem. Die super-deluxe-extra-weiche King Size-Luftmatratze auch? Kein Problem, auch wenn das gute Ding fünf Kilo wiegt. Man muss ja nur die Autotür aufmachen und sie rausschubsen. Auf so manchem Festival findet man auch mal Gruppen, die sich ein ganzes Wohnzimmer oder eine Bar aufgebaut haben. Es gibt nichts, das es nicht gibt lautet das Motto!

  • Schwieriger wird es bei solchen Festivals, wo man sein Zeug mit reiner Manneskraft auf das Gelände bekommen muss. Spätestens nach einem Festival mit viel zu viel Ausstattung und entsprechendem Geschleppe wird man sich beim nächsten Mal genau überlegen, was wirklich mit muss. Transportmittel wie Bollerwagen oder Sackkarren jeder Art sind Gold wert. Da darf man auch ruhig mal kreativ sein: Alte, zusammengeschraubte Skateboards, ein Fahrradanhänger oder eine Sonnenliege mit großen Rädern dran können – richtig aufgeladen und gesichert – auch viel Kraft sparen.

    Checkt in jedem Fall, was bei dem Festival eurer Wahl erlaubt ist oder nicht! Alle Infos dazu findet man immer auf den entsprechenden Homepages.

Camping

  • Ihr habt euch für Campen entschieden? Toll! Der raue Spirit des Überlebens in freier Natur ist stark in euch! Und eigentlich gibt es nur eine Regel, die ihr befolgen solltet: Habt immer eine Plane über dem Kopf. Das heißt: Absolutes Muss beim Festival-Camping ist ein wasserdichtes Zelt. Planen aus dem Baumarkt können eventuelle Dichtheits-Lücken schließen und sind auch ein guter Untergrund für unters oder vors Zelt. Auch ein Pavillon ist sinnvoll, denn er schützt sowohl vor Sonne als auch Regen und bietet einen „Gemeinschaftsraum“ für die Gruppe. Außerdem kann man hilfsbedürftigen Nachbarn Unterschlupf gewähren und findet so vielleicht gleich neue Freunde… 

  • Für die Zeit zwischen im Zelt liegen und vor der Bühne stehen empfiehlt sich ein Camping-Stuhl - damit bleibt es einem erspart, im Matsch zu sitzen oder irgendwann dank Rücken nicht mehr hochzukommen. Und was wäre ein Festival ohne entspannt im Camping-Stuhl sitzen, ein Bier in der Hand und einen Strohhut auf dem Kopf, und den vorbeischlurfenden Massen beim vorbeischlurfen zuzusehen? Auch ein Camping-Tisch ist eine angenehme Geschichte, aber kein Muss. Profi-Camper stellen in ihrem Zelt außerdem auch mal ein Feldbett auf - dieser Luxus muss aber auch erst zum Campingplatz gebracht werden (siehe "Anreise"). 

  • Übrigens: Billige „Einweg“-Zelte sind nicht ratsam. Erstens sind vernünftige Zelte auch bei Regen praktischer als die Einweg-Variante, zweitens entsteht durch stehengelassene Zelte noch mehr Müll als sowieso schon. In der Regel halten Zelte relativ viel aus, und gebrochene Stangen zum Beispiel kann man relativ günstig ersetzen. 

Futter

  • Es gibt tendenziell drei Grundarten der Festival-Ernährung. Erstens: Grillen. Zweitens: Ravioli (stellvertretend für sämtliches Dosenfutter, das man leicht mit einem Campingkocher erwärmen kann). Drittens: Fressbuden. Je nach Budget/Laune kann der Einzelne zwischen den genannten Möglichkeiten variieren. Fleisch hält sich natürlich nicht einfach so tagelang, deshalb bitte in diesem Fall vorsorgen. Entweder man kauft täglich frisches Grillgut (meist ist ein Ort/Supermarkt in Festival-Reichweite) oder bereitet das Mitgebrachte entsprechend vor. Eingeschweißt und gefroren hält sich Fleisch in einer normalen Kühlbox auch ein paar Tage.

    Generell darauf achten, keine leicht verderblichen Lebensmittel mitzunehmen. Ansonsten ist die Festivalverpflegung einfach Geschmackssache – so mancher soll ja auch einfach auf Bier und Chips in ausreichenden Mengen schwören.

  • Vegan/Vegetarisch auf Festivals?

    Vegan sein ist in – das mag der/die überzeugte Veganer/in bewerten wie er oder sie will, Fakt ist jedoch, dass dieser Veganismus-Trend zwei entscheidende Vorteile hat. Erstens verzichten mehr Leute auf tierische Produkte (und der Grund sei da mal hintenangestellt), und zweitens hat sich dadurch das vegane Angebot in den letzten Jahren enorm erhöht. Das gilt aber vor allem für die Selbstversorgung – auf den meisten Festivals ist die Auswahl an richtigem veganem Essen weiterhin überschaubar. Auch hier geht der Trend aber zu mehr Tierfreundlichkeit – also einfach mal die entsprechenden Festival-Homepages checken. Weitere Tipps und Tricks zum veganen Überleben auf Festivals gibt zum Beispiel die PETA.

    Vegetarier haben – wie immer – nicht ganz so viele Schwierigkeiten. Es gibt bei jedem Festival genügend fleischlose Alternativen auf dem Gelände, von Asia-Nudeln bis zur Riesen-Käsebreze.

Klamotten

  • Die Grundausstattung

    Gerade in Zeiten der Klimaerwärmung, wo man heute nicht mehr so ganz genau vorhersagen kann wie das Wetter morgen wird, kommt es umso mehr auf die Klamotten an. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung - das hat ja schon der Opa immer gesagt. Der Mainstream-Rocker-Festivalprofi erscheint im Allwetter-Zwiebellook-Outfit, dem Metaller reichen ein oder vielleicht zwei Bandshirts und seine Kutte. Dreckig wird man sowieso, also bloß nicht zu viel Aufwand betreiben.

    Letzten Endes kommt es vor allem auf die Schuhe an – Gummistiefel oder generell festes Schuhwerk sind mit am wichtigsten (vor allem bei Männern sehr beliebt: Bundeswehrstiefel mit Stahlkappe – liebe Damen, versucht lieber erst gar nicht, mit BALLERINAS den Moshpit erobern zu wollen). Wenn das T-Shirt und die Hose nass sind, wen kümmerts. Wenn die Füße drei Tage lang nass und kalt sind, kann die Laune allerdings schon mal gleich mit in den Schlamm rutschen.

    Auch empfehlenswert sind simple Regenponchos (gibt’s im Drogeriegeschäft für 0,50 Cent – 1 Euro) im Falle eines Dauerregens. Oder ihr denkt umweltbewusst und kauft euch einen ordentlichen – die halten länger und besser.

  • Darf’s mal etwas Verrücktes sein?

    Die letzten Jahre haben gezeigt, dass der Trend zum crazy Festival-Outfit geht. Was früher der Borat-Bikini, sind heute plüschige Ganzkörper-Tierkostüme, aufblasbare Sumoringer-Luxuskörper, Einhörner, Superman, … Die Festivalbesucher sind da mal mehr, mal weniger kreativ. Manche mögen das lächerlich finden oder sogar nervig, aber wenn man die Gelegenheit nutzen möchte, sein Alter Ego raus zum Spielen zu lassen – bitte, nur zu. So ein bisschen bunte Vielfalt hat noch keinem Festival geschadet!

    Kleiner Tipp: Den Typ im rosa Bunny-Kostüm, den man am letzten Festivaltag kennen gelernt hat, mal unauffällig fragen, ob er das Kostüm eigentlich mal verlassen hat. Kommt als Antwort: „Hähä nääää is doch viel gaileer sooooO“ – lieber nicht auspacken.

  • Rocken mit Brille

    Rocken mit Brille auf der Nase kann ganz schön nervig sein. Deshalb ist es ratsam, zumindest bei Festivals auf Kontaktlinsen umzusteigen. Tageslinsen eignen sich gut, da man sie eben nur einen Tag trägt und sie bis zum Öffnen hygienisch verpackt sind. Morgens dann Hände waschen (geht auch mit Mineralwasser, für die die zu bequem sind um zu den Toiletten zu laufen), und mit Hilfe eines kleinen Handspiegels die Linsen einsetzen. Wer keine Kontaktlinsen nehmen kann oder will, sollte seine Brille zumindest mit einem Brillenband sichern. Wenn man sie dann im Eifer des Gefechts vor der Bühne doch mal verliert, fällt sie wenigstens nicht gleich auf den Boden. Brillen mit speziellen Sportbügeln funktionieren auch ganz gut.

    Und: Ersatzbrille mitnehmen und im Auto lassen! Damit ist man auf der sicheren Seite – vor allem wenn man bei der Heimfahrt selbst am Steuer sitzen soll.

Kühles Bier

  • Wenn das Festival mal wieder nicht mit tollem Sommerwetter glänzt (soll vorkommen), hat das zwei ganz entscheidende Vorteile: Die Gefahr von Sonnenstich-Totalausfällen ist ziemlich gering. Und: Das Bier bleibt schön kühl! Wenn man nicht mit solch trinkfreundlichen Temperaturen gesegnet ist, gibt es aber auch ein paar hilfreiche Tricks, wie man sein Flüssiggold auf Trinktemperatur halten kann.

    Wer auf ein Festival fährt, bei dem auch Autos auf dem Camping-Gelände erlaubt sind, kann auch einfach 12V-Auto-Kühlboxen mitnehmen und diese ans Auto oder gegebenenfalls an den Generator anschließen. Es geht aber auch ohne Strom - klickt euch einfach durch die folgenden Tricks. 

  • Super-Socken-Kühlung

    Bierdosen in nasse Socken stecken (falls es gleich mehrere Dosen oder gar ein ganzes Fass sein sollen, empfiehlt sich ein nasses Handtuch) und in die Sonne legen. Durch das verdunstende Wasser entsteht Kälte, und euer Bier wird dadurch gekühlt. Und die Socken – wieder trocken.

  • Kühlakkus Selbstgemacht

    Vor dem Festival Bierdosen oder Tetrapacks (mit Saft, Eistee, Sangria o.Ä.) in der Gefriertruhe auf circa 0 Grad kühlen. Die Dosen in einer Kühltasche mit Kühlakkus transportieren. Auf dem Festival die Hälfte der Dosen in eine zweite, leere Kühltasche umpacken. Der Trick mit den nassen Handtuch hilft auch bei dieser Methode, die Temperatur in der Kühlbox zu halten (also Kühlbox mit einem nassen Handtuch abdecken und in die Sonne stellen). Nützlicher Nebeneffekt: Man bekommt quasi ganz nebenbei auch kühlen Saft / Eistee / Sangria etc. Aufgepasst: Bier gefriert leider auf Kosten der Kohlensäure. Deshalb ist es insgesamt wohl klüger, Tetrapacks als „Kühlakkus“ zu benutzen.

  • Trockeneis

    Trockeneis ist festes, sehr kaltes Kohlendioxid. Man bekommt es via Internet im Fachhandel, sechs Kilo kosten dabei etwa 30 Euro; es hält sich je nach Lagerung einen bis ca. fünf Tage. Aufgepasst: Trockeneis hat eine Temperatur von -78 Grad, also nicht unbedingt mit bloßen Händen anfassen. Bierdosen nur für ein paar Minuten zum Kühlen in die Box legen. 
    Achtung: Auf vielen Festivals ist Trockeneis nicht erlaubt - vorher also auf der entsprechenden Homepage abchecken!

  • Kuttereis

    Gibt es im Metzgereibedarf oder im Gastro-Großhandel – Kuttereis ist das Eis, mit dem im Supermarkt zum Beispiel der Fisch in der Auslage gekühlt wird. Es schmilzt nicht so schnell und hält sich in einer Kühltasche circa vier Tage. Der Nachteil: Es ist zwar preiswert – aber schwer zu bekommen.

Mobil bleiben

  • Auch auf Festivals ist das Digital-Zeitalter mittlerweile natürlich angekommen. Die meisten Festivals bieten eigene Apps, die die Besucher mit den wichtigsten News, dem Spielplan, Infos zu den Bands und zum Festival allgemein, und so manchem netten Feature (z.B. Wetter, personalisierter Spielplan, etc.) auf dem Laufenden halten.

    Auch gibt es mittlerweile fast überall Ladestationen oder mobile Akkus zum Ausleihen, um dem eigenen Smartphone wieder Saft zu geben. Der gewiefte Smartphone-Besitzer kann aber auch einfach eine eigene Powerbank zum Nachladen einpacken, oder ein Solar-Ladegerät benutzen. Die gibt's in verschiedenen Preisklassen von 15 bis 70, 80 Euro, zum Beispiel auf Amazon.

Safety First

  • Festival, das heißt mehrtägiger Ausnahmezustand, Alkohol und gute Laune. Leider gibt es aber immer auch welche, die sich nicht an die inoffiziellen Regeln der Festivalkultur halten. Deshalb ist es ratsam einige Tipps zu beachten, um unnötigen Ärger möglichst zu vermeiden. 

    • Wertsachen wie Portemonnaies, EC-Karten und anderes in Gürteltaschen, den vorderen Hosentaschen oder notfalls im Hosenbund aufbewahren. Gesäßtaschen sind relativ unsicher.
    • Zelte nach Möglichkeit nicht unbeaufsichtigt lassen. Man kann sich mit den Nachbarn absprechen, dass diejenigen die da sind immer mit ein Auge auf die anderen Zelte haben. So entsteht gleich ein gutes Nachbarschaftsgefühl, und jemand Fremdes fällt leichter auf. Gelegenheit macht Diebe: Ein Zelt abzusperren, schützt sicher vor spontanen Räubern oder volltrunkenen Wanderern auf der Suche nach einem Schlafplatz – wenn jemand allerdings bewusst auf Diebeszug ist, kann ihn auch ein kleines Vorhängeschloss an einem Gegenstand, der zu 90% aus dünner Plastikplane besteht wohl kaum abhalten.
    • Während des Schlafens die Wertsachen am Körper haben, z.B. im Schlafsack. Viele Diebstähle ereignen sich in der Nacht.
    • Generell gilt: Was man nicht wirklich braucht, lieber zu Hause lassen! Wertsachen, die man zwar dabei hat, aber nicht unbedingt auf dem Gelände braucht, lieber im Auto lassen.
    • Wenn die EC-Karte doch abhanden kommt diese schnell mit einem Anruf bei der bundesweiten Notfallnummer 116 116 sperren lassen. Diese Notfallhotline ist 24 Stunden erreichbar und vermittelt den Karteninhaber direkt an das entsprechende Bankinstitut.
    • Aus dem Ausland erreicht man die Notfallhotline unter +49 116 116 oder +49 30 4050 4050. Diese Nummern sind gebührenpflichtig, die Höhe der Gebühren richtet sich nach dem jeweiligen Anbieter.
  • Generell sind bei jedem Festival Polizei und Ordnungskräfte vor Ort, die ein Auge über das Geschehen auf dem Gelände haben. Sollte etwas passieren, meldet den Diebstahl sofort bei den jeweiligen Infopoints oder Wachen auf dem Gelände. Und vergesst natürlich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nicht, das Festival in all seiner Pracht zu genießen!