13.04.2018 | Music News ECHO 2018: Die Toten Hosen und Beatsteaks räumen ab

Bei der 27. Verleihung des ECHO haben die Bands aus Düsseldorf und Berlin jeweils eine Kategorie für sich entschieden. Campino nutzte seinen Auftritt für eine klare Ansage.

  • <p>Campino nahm stellvertretend für seine Band den Echo an und nutzte die Gelegenheit für ein paar klare Worte.&nbsp;</p>

    Campino nahm stellvertretend für seine Band den Echo an und nutzte die Gelegenheit für ein paar klare Worte. 

    Foto: dpa/Joerg Carstensen
  • <p>Die Toten Hosen wurden gestern beim Echo als bester "Rock Act National" ausgezeichnet.&nbsp;</p>

    Die Toten Hosen wurden gestern beim Echo als bester "Rock Act National" ausgezeichnet. 

    Foto: Paul Ripke
  • <p>Das beste "Video National" kommt von den Beatsteaks in Zusammenarbeit mit Deichkind für "L auf der Stirn".&nbsp;</p>

    Das beste "Video National" kommt von den Beatsteaks in Zusammenarbeit mit Deichkind für "L auf der Stirn". 

    Foto: Dennis Fischer
  • <p>Den Preis für sein Lebenswerk erhielt Klaus Voormann, rechts neben ihm sein Laudator BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken.&nbsp;</p>

    Den Preis für sein Lebenswerk erhielt Klaus Voormann, rechts neben ihm sein Laudator BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken. 

    Foto: Markus Nass / BVMI
  • <p>Keinen Preis gab es leider für unseren Kollegen Alex Wesselsky und&nbsp;Eisbrecher, doch man sieht, dass sich die Jungs die Laune dadurch nicht verderben ließen.&nbsp;</p>

    Keinen Preis gab es leider für unseren Kollegen Alex Wesselsky und Eisbrecher, doch man sieht, dass sich die Jungs die Laune dadurch nicht verderben ließen. 

    Foto: Markus Nass / BVMI

Gestern wurde auf der Berliner Messe der wichtigste deutsche Musikpreis verliehen, der ECHO. Dabei haben Die Toten Hosen die Auszeichnung in der Kategorie "Rock National" verliehen bekommen, die Beatsteaks wurden für ihr Musikvideo "L auf der Stirn" mit dem ersten Preis versehen. 

Doch das Musikalische geriet bei der 27. Ausgabe des Echos einmal mehr in den Hintergrund. Schon im Vorfeld der Veranstaltung gab es Kritik an der Nominierung des Rap-Duos Farid Band und Kollegah, die die Kategorie "Hip-Hop/Urban National" für sich entschieden. Eine vermeintlich antisemitische Zeile führte zu Unmut über die Nominierung der Rapper. Sie singen wörtlich:
"Und wegen mir sind sie beim Auftritt bewaffnet. Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen."  Der Bundesverband Musikindustrie, der für die Nominierungen mit zurständig ist, sagte in einer Erklärung dazu: 

"Die Entscheidung des ECHO-Beirats als unabhängiges Gremium, sie nicht von der ECHO-Nominierung auszuschließen, war eine mehrheitliche Entscheidung im Sinne der Kunstfreiheit, aber ganz deutlich verknüpft mit klarer Missbilligung der Sprache und der in dem Song getroffenen Aussagen sowie mit dem Appell, dieses Thema auf breiter gesellschaftlicher Front öffentlich zu diskutieren. Sowohl der Beirat als auch wir wollen uns aktiv an der Gestaltung dieser Debatte beteiligen."

Auch Campino stieß das Zitat aus dem Song sauer auf und er nahm seine Auszeichnung zum Anlass eine kurze Ansage zu machen, inklusive der Frage: "Wann ist die moralische Schmerzgrenze erreicht?". Als Künstler, der selber gut und gerne mit Tabubrüchen gearbeitet hat, wisse der Düsseldorfer wovon er spricht. 

" Jeder von uns muss eine Linie ziehen, wo bei uns eine Grenze der Toleranz erreicht ist. An sich halte ich Provokation für wichtig und richtig. Doch für mich persönlich ist diese Grenze überschritten, wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme und antisemitische Beleidigungen gegen Andersdenkende geht und auch um die Diskriminierung jeder anderen Religionsform."

Ob Campino mit seinen Worten Wirkung bei dem Rappern erzielt hat, darf bezwiefelt werden. Sie zeigten sich sichtlich gelangweilt. Doch während Campino unter Applaus von der Bühne ging und die Rapper unmittelbar darauf mit einer semi-witzigen Antwort konterten und von der Halle ausgebuht wurden, kann man sich denken, wer die richtigen Worte an dem Abend gefunden hat.

Die ganze Rede von Campino gibt's hier im Video: