03.08.2014 | Rock News Resis RockBlog: Tag 5 auf dem W:O:A 2014

Liebe Rockerinnen und Rocker, liebe Metalheads, liebe Freundinnen und Freunde der guten Musik,
plötzlich ist es schon wieder so weit, die letzte Band hat die Bühne verlassen, die letzte Dose ist geleert, das Zelt abgebaut und schon steht die Heimfahrt bevor. Hier kommt mein letzter Bericht vom diesjährigen Jubiläums-Wacken.

Obligatorischer Fastfood-Stop auf dem Heimweg

Samstag, 12.30 Uhr

Im Pressezelt auf der Videoleinwand schauen wir nebenbei den Auftritt von Arch Enemy an. Alissa White-Gluz, die blauschöpfige Powerfrau, fegt über die Bühne wie ein Derrwisch, und lässt sich kein bisschen von der Mittagshitze stören. Genauso wenig wie ihr Publikum, das jeden Song ausgelassen mitfeiert.

17:30 Uhr

Wir statten dem Wacken Foundation Camp einen kurzen Besuch ab. Dort kann man sich dieses Jahr zum ersten Mal direkt auf dem Festivalgelände über das Thema Blutkrebs informieren und als potenzieller Stammzellenspender typisieren lassen. Hintergrund:  Bei der 13-jährigen Tochter des WOA-Produktionsleiters Thomas Hess wurde MDS diagnostiziert, und jetzt hoffen die Veranstalter auf die Unterstützung ihrer treuen Anhänger. Natürlich machen auch wir mit, und lassen uns sagen, dass man bis jetzt sehr zufrieden sei. Auch ein paar der Künstler, z.B. Doro und Bülent Ceylan, hätten sich typisieren lassen. Wir drücken auf jeden Fall die Daumen, dass sich bald ein passender Spender findet.

Danach wandern wir zurück zum Bühnenbereich, wo auf der Black Stage gerade Emperor ein Metalfest vom Feinsten veranstalten.

19:00 Uhr

Es wird wieder episch auf Wacken mit Amon Amarth. Die Wikinger-Metaller aus Schweden hauen raus, was die Instrumente hergeben. Auf der Bühne haben sie sogar zwei riesige Drachenköpfe aufgebaut, die der Sänger Johan Hegg ein paar Mal erklimmt, um uns von dort Liedgut über gefährliche Krieger, imposante Heldentaten und wilde Mythen entgegen zu schmettern. Der Acker bebt, als er dann die zigtausend vorübergehend zu Neuzeit-Wikingern gewordenen Fans animiert, mit ihm Odin anzupreisen.

21:00 Uhr

Eine große Wunschband vieler Besucher ist bekanntermaßen Metallica. Die haben es zwar auch dieses Jahr nicht nach Wacken geschafft, dafür aber einer ihrer Ex-Kollegen: nämlich Dave Mustaine mit seiner Band Megadeth. Die Legende besagt, dass der Rest der Band um James Hetfield und Co. den damals so skandalbehafteten Mustaine einfach während ihrer Tour 1983 auf der Toilette „vergessen“ habe, und Mustaine so recht unsanft von seinem Rauswurf erfuhr. Ob das nun tatsächlich so war oder nicht, wissen wohl nur ein paar wenige genau. Fakt ist, dass es sonst Megadeth vielleicht gar nicht geben würde, und das wäre jammerschade. Ihr Auftritt auf dem Wacken kann sich jedenfalls sehen lassen.

03.00 Uhr

Nach einem kurzen Stopp bei Avantasia gönnen wir uns noch einen Absacker mit unsren neuen Freunden am Campground. Als letzte Band des Festivals spielt Schandmaul noch von 01.45 – 02.45 Uhr, und im Vorfeld wurde immer wieder gemunkelt, dass es danach noch ein großes Feuerwerk geben werde. Das entpuppt sich dann allerdings als Wunschdenken, nach ein paar letzten Grußworten der Veranstalter, die sich für das entspannte und friedliche Festival bedanken, gehen die Lichter für dieses Jahr endgültig aus. Das finden wir alle zwar sehr schade, denn zum 25-jährigen Jubiläum hätte so etwas schon gut gepasst, aber Wacken ist eben so. Das Festival als Ganzes steht hier im Vordergrund, keine Einzelgrößen, und kein aufwendiger Schnickschnack.  

Erschöpft, staubig, aber zufrieden stapfen wir gemächlich Richtung Zelt zurück. Das Festivalgelände ist leer und ruhig geworden, der Haribomann verpackt seine kunterbunten Schätze wieder in Kisten (ja, auch düster-böse Metalheads mögen kleine bunte Süßigkeiten), ein paar Security-Männer stehen schweigsam am Rand. Und dann laufen wir an einer Gruppe junger Frauen vorbei, über und über tätowiert und in leicht staubigen Rockabilly-Kleidern, die an einen Zaun gelehnt am Boden sitzen und munter vor sich hin singen: „Aber Scheiß drauf, Wacken ist nur einmal im Jahr“ – frei nach der Melodie eines ähnlich klingenden Mallorca-Schlagers. Wir können uns beim Weitergehen ein Lächeln nicht verkneifen, schöner hätte man es nicht ausdrücken können.

Sonntag

Zum Schluss möchte ich noch ein kleines Fazit ziehen. Wenn man das Wacken Open Air in drei Worten beschreiben müsste, ich würde sagen: Wacken ist Wacken. Ich kann nun verstehen, warum sich hier jedes Jahr so viele Menschen aus aller Welt versammeln. Die Zeit ist nur so verflogen, das beste Zeichen dafür, dass es gut war. Wir haben vier Tage voller bester Stimmung, lauter Musik, wenig Schlaf, viel Sonne, Staub und Bier hinter uns, haben neue Freunde gefunden, großartige Erinnerungen gesammelt, und hatten einfach wahnsinnig viel Spaß.

Jetzt geht’s ans Aufräumen, und wieder kommt die riesige Maschinerie, die hinter diesem ganzen Spaß steht, ins Rollen. Über das Gelände schallt das dumpfe „Klonk-Klonk“ von Metall auf Metall, man hört das Piepen von rückwärtsfahrenden LKWs , die unzähligen helfenden Hände werden die Bühnen, Zelte, den Müll, und alles andere bald verschwinden lassen. Dann wird wieder Frieden einkehren hier im kleinen Örtchen Wacken. Die äußerlichen Spuren des Festivals werden auch bei den Metalheads bald beseitigt sein – der Dreck abgewaschen, der Sonnenbrand verheilt, der Kater auskuriert. Was bleibt, sind aber die Erinnerungen, und wer einmal Teil der Wacken-Familie war, kann sich ihrem Bann nur schwer wieder entziehen. Und während man also in Wacken langsam zum Alltag zurückkehrt, fahren wir wie die zigtausend anderen Metalheads gen Heimat. Ein bisschen Wehmut ist zwar dabei, aber gleichzeitig wird das wohl nicht unser letztes Wacken gewesen sein. Die Veranstalter sind sowieso schon längst wieder dabei, das nächste Festival zu organisieren, damit es auch in einem Jahr wieder heißen kann: „Auf nach Wacköööön!“ 

Ein letztes Mal viele metallische Grüße aus dem hohen Norden, 

keep on rockin', 
Eure Teresa