01.07.2020 | Specials "One Way Or Another": Debbie Harry wird 75

Debbie Harry hat sich nie etwas sagen lassen und war damit verdammt erfolgreich. Wir feiern die Frontfrau von Blondie und eine Stilikone des Punks und New Wave.

  • 1974 taten sich Blondie zusammen - und Frontfrau Debbie Harry wurde zu einer Ikone.

    1974 taten sich Blondie zusammen - und Frontfrau Debbie Harry wurde zu einer Ikone.

  • Weil sie sich nicht von der Männerwelt unterkriegen ließ, wurde sie nicht nur zu einem Idol für junge Frauen, sondern imponierte allgemein der Punk-Welt.
	Foto: Jean-Luc - Flickr, CC BY-SA 2.0, Link

    Weil sie sich nicht von der Männerwelt unterkriegen ließ, wurde sie nicht nur zu einem Idol für junge Frauen, sondern imponierte allgemein der Punk-Welt.

    Foto: Jean-LucFlickr, CC BY-SA 2.0, Link

  • Doch was will man machen, wenn die Musik einfach zu gut ist? Blondie wurden ein Hit und feierten mit Hits wie "Heart Of Glass" und "Call Me" internationale Charterfolge.

    Doch was will man machen, wenn die Musik einfach zu gut ist? Blondie wurden ein Hit und feierten mit Hits wie "Heart Of Glass" und "Call Me" internationale Charterfolge.

  • Doch in den 80ern wurde es still um Blondie - die Bandmitglieder begannen Soloprojekte und Debbie Harry arbeitete als Schauspielerin. Erst 1999 wagten sie ein Comeback - und wie: Mit dem Nummer 1-Hit "Maria".

    Doch in den 80ern wurde es still um Blondie - die Bandmitglieder begannen Soloprojekte und Debbie Harry arbeitete als Schauspielerin. Erst 1999 wagten sie ein Comeback - und wie: Mit dem Nummer 1-Hit "Maria".

    Foto: BMG
  • Seitdem sind sie wieder unterwegs, das letzte Album Pollinator erschien 2017 und Debbie Harry macht immer noch das, was sie am besten kann: Ihr Ding durchziehen - "one way or another".


	Foto: Raph_PH - Flickr, CC BY 2.0, Link

    Seitdem sind sie wieder unterwegs, das letzte Album Pollinator erschien 2017 und Debbie Harry macht immer noch das, was sie am besten kann: Ihr Ding durchziehen - "one way or another".

    Foto: Raph_PH - Flickr, CC BY 2.0, Link

Schon der Name ihrer Band, mit der sie erfolgreich werden sollte, war ein Mittelfinger an diejenigen, die sie als Püppchen abstempeln wollten. Weil man Debbie Harry in den Straßen New Yorks ständig ein "Hey Blondie" - begleitet von einem Pfiff - hinterherrief, nannte sie ihre Band schlicht Blondie und zeigte den Herren der Schöpfung damit: "Von euch Pfeifen lass ich mich nicht unterkriegen."

Dabei müssen wir froh sein, dass Deborah Ann Harry - geboren am 01. Juli 1945 in Miami, Florida - diesen Weg eingeschlagen hat. Von ihrer leiblichen Mutter zur Adoption freigegeben, wuchs sie bei einer katholischen und sehr konservativen Familie auf. Doch Debbie wollte Künstlerin werden, brach das College gegen den Willen ihrer Adoptiveltern ab und zog im Alter von 19 Jahren nach New York.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort könnte man sagen. Denn genau zu dieser Zeit schwelte in der Underground-Szene eine Stimmung, die später in der großen Punk-Explosion 1977 münden sollte. Als Mitglied der Frauenband The Stilettos sammelte sie erste Live-Erfahrung und lernte Gitarrist Chris Stein kennen. Der war begeistert von ihrem selbstbewussten Auftreten und es entstand eine Freundschaft, die 1974 zur Gründung von Blondie führte.

Ihre ersten Auftritte spielten Blondie - wie sollte es anders sein - im legendären CBGB. Schon dort zeigte Debbie Harry ihre Kunst, gleichzeitig mit dem männlichen Publikum zu flirten, ihnen aber gleichzeitig klarzumachen: "Ihr könnt mir gar nichts!". Sie war kein Showgirl, kein Püppchen, Debbie Harry war ehrlich und knallhart - damals vor allem im Rock-Genre nicht gerade üblich und es dürfte klar sein, dass sie damit vielen Frauen den Weg ins Rock-Business ebnete.

Auch wenn die Fachpresse zu jener Zeit noch nicht so recht wusste, was sie von diesem "neuen Sound" halten wollte - die Energie, die von Blondie ausging, sorgte auch bei den Kritikern für Begeisterung. Der renommierte Rolling Stone verglich Blondies Debütalbum mit The Who - und die zählten damals zu den härtesten Bands der Welt.

Dass da mehr war als harte Punk-Attitüde, zeigten Songs wie "One Way Or Another", "Picture This", "Sunday Girl" oder ihre Version von "Denis" - Blondie konnten nicht ewig Subkultur bleiben. Außerdem war da die künstlerische Ader von Debbie Harry, die sie sich nicht verbieten lassen wollte. Sie ließ sich als Fotomodel ablichten, außerdem waren Blondie eine der ersten Bands, die Musikvideos produzierten: Der Mainstream-Erfolg musste kommen.

Und das ist auch gut so! Sonst hätten wir von Songs wie "Call Me" womöglich nie etwas mitbekommen. Und sein wir ehrlich - ihr Cover der Reggae-Nummer "The Tide Is High" ist irgendwie auch ein Ohrwurm, den man nicht los wird. Die Band probierte sich in verschiedenen Genres aus, ein bisschen Hip Hop, ein bisschen Reggae, ein bisschen Disco - nicht wenige warfen der Frontfrau so etwas wie Punk-Verrat vor. Doch damit tut man ihr Unrecht (nicht, dass sie etwas auf die Meinung geben würde).

Denn genau in einem ist sich Deborah Harry immer treu geblieben: Stark sein, sich nichts bieten lassen, seinen Weg gehen. Und mit dieser Einstellung hätte sie sogar Opern schreiben können und wäre immer noch Punk, wie es kaum ein anderer wäre.

In diesem Sinne feiern wir heute die Power-Frau zu ihrem 75. Geburtstag, mit dem passenden Sound auf ROCK ANTENNE. Happy Birthday, Debbie Harry! 

Debbie Harry erklärt den Pogo: