13.05.2022 | Fakten & Portraits Deutschlands einziger Grammophonrestaurateur im Interview

Michael Ruf ist der einzige deutsche Grammophonrestaurateur. Im exklusiven ROCK ANTENNE Interview erzählt er von der Magie des Grammophons und warum das Gerät längst nicht mehr nur etwas für alte Leute ist.

Michael Ruf ist eigentlich gelernter Werkzeugmacher und Restaurateur und obwohl er nicht vollständig davon leben kann, hat er sich voll der Restaurierung von alten Grammophonen verschrieben. Zusammen mit seinem Vater, der Uhrmacher war, hat er eine Grammophon-Werkstatt in München aufgebaut, die die alten Schätze aus ganz Deutschland in neuem Glanz erstrahlen lässt.

Wenn Augen strahlen und Erinnerungen lebendig werden

An seinem Beruf mag er besonders, dass jedes Grammophon einzigartig ist und er so nie zweimal die gleiche Sache machen muss. Aber das Schönste, das er bisher erlebt hat, ist die Freude, die er mit seiner Arbeit bringen kann. Als vor Jahren sein Vater in eine Kurzzeitpflege musste und seine Grammophone vermisste, brachte Ruf einfach eines mit. Und schon nach kurzer Zeit scharten sich die Bewohner des Heims um das große Gerät - viele brachten ihre eigenen Platten mit, die sie aufgehoben hatten, und konnten sie so endlich einmal wieder anhören. Ruf erzählt dabei von leuchtenden Augen und Bewohnern, die in der Anfangszeit abends gar nicht mehr ins Bett wollten vor lauter Musikhören.

Nach dem Tod seines Vaters beschloss er das Grammophon dem Pflegeheim zu stiften. Den Kontakt zu den Pflegern hat er gehalten und die bestätigen, dass das Grammophon immer noch in reger Nutzung ist und weiterhin Augen strahlen und Erinnerungen an frühere Zeiten aufleben lässt.

Vorher-Nacher-Bilder von alten und restaurierten Grammophonen
Foto: Michael Ruf / Grammophonwerkstatt

Grammophone: Nicht nur ein Relikt für alte Leute

Doch nicht nur Senioren, sondern auch zunehmend jüngere Generationen interessieren sich wieder für die alten Geräte, sagt Ruf. Oft würden Speicher oder Kellerfunde das Interesse in Gang bringen und fast jedes Grammophon ließe sich wieder gut herrichten. Es sei denn, der Holzwurm hat gewütet, dann schaut es oft schlecht aus um die alten Schätze. Dann muss ein Spezialschreiner ans Werk und der ist oft teuer.

Und wer sich jetzt interessiert: Spielbare Grammophone gibt es, je nach Größe, in der Regel ab ca. 100 Euro. Wer erst einmal einen Testlauf starten möchte - Michael Ruf repariert und restauriert seine Grammophone nicht nur, sondern verleiht sie auch. So waren seine Stücke auch schon in deutschen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen, zum Beispiel "Babylon Berlin". 

Auch die alten Schellackplatten gibt es noch zuhauf, allerdings meistens mit Schlagern darauf, die zur Nazizeit nicht verboten wurden.

Die Magie des Grammophons

Trotzdem - da ist sich Michael Ruf sicher - ist das Musikhören mit einem Grammophon ein Erlebnis. Man muss seine Muskeln spielen lassen und die Feder ausziehen, dass überhaupt etwas passiert. Und dann ist da natürlich noch das Knarzen und das Leiern, das erst die Atmosphäre bringt. Aber nach etwa 150 Mal Anhören ist Schluss, denn Schellackplatten nutzen sich anders ab als die heute gängigeren Vinylplatten. Vielleicht ist das aber auch ein guter Anhaltspunkt, sich darauf zurückzubesinnen, wie wertvoll Musik für unser Leben ist.

Unser Interview mit Grammophonrestaurateur Michael Ruf könnt ihr euch hier anhören:

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