18.11.2020 | Fakten & Portraits Moneytalks: Die Produktionskosten eines Musikalbums

Wir lieben Alben, wir hören Alben - aber was steckt eigentlich hinter der Produktion eines Musikalbums? Vor allem für kleine Bands, die (noch) kein Plattenlabel hinter sich haben, eine gar nicht mal so unwichtige Frage. Antworten findet ihr hier.

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Alle kennen sie: Die Alben, die um die Welt gingen und auch heute noch gehen. Nevermind von Nirvana oder The Dark Side of the Moon von Pink Floyd sind weltbekannte Vertreter ihrer Gattung. Das Cover kennen nicht nur diejenigen, die diese Alben gekauft haben. Viele Motive sind so bekannt, dass man direkt weiß, um was es geht. Bis eine Platte allerdings im Regal steht – oder heutzutage in den jeweiligen Stores zum Download bereit ist – vergeht eine gewisse Zeit, eine Menge Arbeit fließt in die Erstellung und da liegt die Frage nahe, was so eine Produktion eigentlich für Kosten verursacht. Man braucht nicht nur einen oder mehrere Künstler mit musikalischen Talenten und ein Cover für eine CD dazu. Ein Studio, Tontechniker und Promoaktionen sind eng mit dem Release verknüpft. Die Kosten, die dabei entstehen, haben wir zusammengetragen, um diese Frage zu klären.

Am Anfang steht die Idee – Kosten für das Studio

Um ein Album zu produzieren braucht es zunächst einmal eine Band oder einen Solokünstler. Einige stehen natürlich bereits bei großen Plattenfirmen unter Vertrag und haben Alben auf dem Markt. Andere wurden aber vielleicht durch YouTube oder als Vorband auf einem Festival entdeckt, möchten ihre Musik nun der breiten Masse zugängig machen und nebenbei noch Geld verdienen. Bei der Produktion eines Albums ist es wichtig, die anfallenden Kosten durch entsprechende Helfer immer im Blick zu behalten. Ansonsten könnte der ganze Aufwand nach hinten losgehen und man hat nicht mehr genug Budget für die Vermarktung in der Hinterhand.

Damit man am Ende ein Album hat, was man verkaufen kann, muss die Musik professionell und qualitativ hochwertig aufgenommen werden. Hierfür ist der Gang ins Tonstudio unumgänglich. Je nach dem, wie lange man dort ist, was man alles braucht und was man selbst erledigen kann, entstehen hier Kosten zwischen 1.000€ und 50.000€. Nach oben hin sind wie immer kaum Grenzen gesetzt. Die genannten Kosten beziehen sich auf die Aufnahme eines kompletten Albums. Studios arbeiten wie viele Unternehmen mit einem Stundensatz. Hierbei unterscheiden sich die Aufwendungen nach verschiedenen Punkten:

  • Welche Qualität wird gewünscht (Stereo oder Surround)?
  • Wird Fachpersonal wie Techniker benötigt oder nimmt man alleine auf?
  • Werden Instrumente mitgebracht, die noch gestimmt werden müssen?

Dass man ein professionelles Album nicht in der heimischen Garage produzieren kann, sollte jedem klar sein. Für ein Demotape reicht der eigene Keller vielleicht aus. Kein Profi gibt sich jedoch mit minderer Qualität zufrieden.

Tontechnik und Mixen

Damit die Musik fehlerfrei aufgenommen werden kann, hat ein Profi ein Auge darauf. Der Tontechniker achtet auf die korrekte Ausrichtung der Mikrofone und steuert die komplette Software. Das sind also die Menschen hinter der Scheibe und am Mischpult. Je nach Kenntnissen, Berufserfahrung sowie eingesetztem Equipment fallen ganz unterschiedliche Kosten an. Wie beim Studio selbst wird in den meisten Fällen nach Stunden abgerechnet. Es können also Kosten von 200 bis mehreren Tausend Euro anfallen.

Ist das Rohmaterial auf Band festgehalten, muss die Musik natürlich gemixt und abgestimmt werden. Tiefen und Höhen müssen passen, damit die Lieder keine Ausreißer haben oder an manchen Stellen brummen oder scheppern. Um ein einheitliches Musikstück zu erhalten, muss der Tontechniker-Profi erneut ran. Er bearbeitet die einzelnen Stimmen und Tonspuren und legt sie zusammen:

  • Das Schlagzeug darf den Sänger nicht übertönen
  • Die Melodie der Gitarre muss hörbar sein und
  • der Gesang braucht hier und da Hall.

Das ist natürlich sehr vereinfacht ausgedrückt und diese komplexe Detailarbeit darf nicht unterschätzt werden. Neben der fundierten Ausbildung und dem technischen Know-How wird ein feines Gehör und Gespür für einzelne Töne benötigt. Schließlich sollten am Ende Lieder herauskommen, die digital, auf CD, Vinyl und im Radio super klingen.

Design und Marketing

Sowohl digital als auch für physische Datenträger muss ein Cover erstellt werden. Für den Handel braucht man natürlich noch ein entsprechendes Hüllendesign und ein Inlay. Hierfür beauftragen viele einen Grafikdesigner, der sich darauf spezialisiert hat. Niemand, der sein Album bekannt machen will, wird hier am falschen Ende sparen. Ein Cover ist ein Eyecatcher und muss die Interessenten anziehen. Es sollte im Kopf bleiben und am besten zum direkten Reinhören einladen. Viele Bands wie AC/DC oder wie eingangs erwähnt Nirvana haben nichts dem Zufall überlassen. Deren Cover sind bekannt wie ein bunter Hund. Die Kosten sind ganz unterschiedlich und hängen von vielen Faktoren ab.

Neben diesen Aspekten ist es für den Erfolg essenziell, ein Album zu bewerben. Das kann über Plakate, Werbespots oder auf anderen Wegen erfolgen. Je nach Kampagnen entstehen hier horrende Summen.

Physische Datenträger

Viele Sammler lieben es, Alben zu Hause stehen zu haben. Ob in der Vitrine oder im Regal. Allerdings gibt es bei der Produktion einen wichtigen Aspekt zu beachten: 

Was man bei aller Liebe zum physischen Datenträger im Kopf behalten sollte: Der Umsatz mit diesen geht immer weiter zurück, da Verbraucher lieber direkt Streamen. 

Das zeigen aktuelle Umfragen und Auswertungen. Es ist demnach umso wichtiger, lieber mehr in ein gutes Cover als in gebrannte CDs zu investieren. Dadurch erlangt man eher die Aufmerksamkeit der Kunden und kann den digitalen Markt fokussieren.

Die Kosten für einen Datenträger liegen bei je ca. 2€. Das klingt nach wenig, aber da eine große Masse erstellt werden muss, entstehen auch hier schnell hohe Summen. Am einfachsten findet das man mit einem entsprechenden Kalkulator heraus.

Auf einen Blick

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass für ein Album sehr viel Geld aufgewendet werden muss. Große Bands haben natürlich Plattenfirmen hinter sich und damit verbunden feste Verträge. Im Detail läuft die Kostenverwaltung dann etwas anderes ab. Damit eine Musikzusammenstellung in die Ruhmeshalle der erfolgreichsten Alben aufgenommen werden kann, braucht es mehr als nur den Einsatz von Geld und ein paar Lieder.

Mit dem finanziellen Aspekt fängt es aber natürlich an, daher hier noch einmal auf einen Blick:

Posten Kosten Besonderheiten und Aufgaben
Studio Ca. 1.000 – 50.000€
Höhere Kosten können immer anfallen.

Stundensätze als Basis
Unterschiedliche Qualitäten
Kosten für das Stimmen von Instrumenten
Besonderes Schmankerl: Man kann ein Studio meist als Proberaum mieten!

Tontechniker
(Studioaufnahme und Mischen)
Ca. 500 – 10.000 Euro Überwacht die Aufnahme im Studio
Stimmt die einzelnen Stimmen und Spuren aufeinander ab
Hat die Aufnahmetechnik und Geräte im Blick

Design für Cover und Fotografen Ca. 100 – 3.000€ Ein Grafikdesigner entwirft ein Cover, Inlay und die Hülle
Zusätzliche Kosten für Fotografen können entstehen
Autogrammkarten und Poster müssen professionell erstellt werden

Marketing Open End Von wenigen Tausend Euro bis hin zu Millionen ist hier alles vertreten
Je nach Band und Kampagne
Plakate, Werbespots, Promoaktionen

Physische Datenträger Je nach Auflage und Format Hängt ab von:
CD und/oder Vinyl
Stückzahlen
Nur das Album oder auch Singles daraus veröffentlichen