01.11.2018 | Specials Eine Stunde Gänsehaut: Vor 24 Jahren erschien Nirvana Unplugged

Düster, ruhig, geradezu andächtig - bei ihrem Unplugged-Konzert lieferten Nirvana eine ungewöhnliche und dennoch legendäre Show ab.

Foto: DGC

Es hat lange gedauert, bis der TV-Sender MTV Nirvana dazu überredet hat, ein Konzert für ihre "Unplugged"-Reihe zu geben. Laut Dave Grohl spielten die meisten Bands einfach ihre üblichen Hits, wodurch die Shows als gewöhnliche Rockkonzerte mit Akustikgitarren durchgingen. Nicht mit Nirvana! 

Die Band hatte ganz andere Vorstellungen von dem Konzert als MTV. Kurt Cobain wollte die Atmosphäre einer Beerdigung erzeugen, mit schwarzen Kerzen, weißen Gladiolen und einem Kristallkronleuchter auf der Bühne. Es wurden ausschließlich ruhige Songs ausgewählt, weshalb zum Beispiel "Smells Like Teen Spirit" nicht auf die Setlist kam. Dazu gab es einige Cover von David Bowie und unbekannten Bands wie den Meat Puppets, die auch mit auf der Bühne standen.

Den ganzen Auftritt lang, bekommt man erschreckend vor Augen geführt, wie zerbrechlich Kurt Cobain geworden ist. Am Set herrschte gehörige Anspannung, da sich der Frontmann im Entzug befand. Man machte sich große Sorgen um seine spielerischen Fähigkeiten, weswegen der Gitarrist und spätere Foo Fighter Pat Smear engagiert wurde. Cobain weigerte sich tatsächlich auch noch am Tag des Konzertes aufzutreten. Er erschien zwar, doch wirkte den ganzen Abend über sehr ernst und lächelte kaum. 

Dennoch ging das Konzert als eines der legendärsten von Nirvana in die Geschichte ein - vielleicht auch als das außergewöhnlichste. Den letzten Song kündigt Kurt nach einigem scherzhaften Geplänkel seiner Bandkollegen mit den Worten "Fuck you all, this is the last song of the evening" an. Es war das einzige Aufflammen des alten Kurts an diesem Abend.

Eine Live-CD war eigentlich nicht geplant. Schon allein, weil sich Nirvana weigerten - wie bei den anderen Unplugged-Konzerten üblich - ein paar Songs öfter einzuspielen, sodass man die beste Performance nehmen kann. So blieben die Bänder dieses 18. Novembers 1993 beinahe unveröffentlicht.

Am 08. April wurde Kurt Cobain tot in seinem Haus in Seattle aufgefunden. Der Sänger hatte sich selbst das Leben genommen - die Ikone einer Generation starb mit nur 27 Jahren. Aufgrund des Bettelns der Fans nach neuem Nirvana-Material ließ sich das Label breitschlagen und veröffentlichte das Album am 01. November 1994. Es gilt heute als eines der besten Alben aus der "MTV Unplugged"-Geschichte.