Gary Barlow

Gary Barlow, OBE (* 20. Januar 1971 in Frodsham, Cheshire) ist ein englischer Komponist, Singer-Songwriter, Pianist und Musikproduzent. Besondere Bekanntheit erlangte er als Leadsänger und Songwriter der Band Take That. Acht seiner Alben haben die Spitze der Charts erobert, hinzu kommen 20 Top-5-Hits und 14 Nummer-1-Singles. Barlow gilt mit über 50 Millionen Tonträgern und mehr als 7,5 Millionen verkauften Konzertkarten weltweit als einer der erfolgreichsten Songwriter Großbritanniens. Er wurde bereits sechsfach mit dem unter Komponisten begehrten Ivor Novello Award ausgezeichnet. In der Liste der Autorenbeteiligungen von Gary Barlow findet sich eine Übersicht seiner Werke als Songwriter und Musicalkomponist. Für seine erfolgreiche Benefizarbeit und seine Leistung in der Musikindustrie wurde Barlow 2012 von der Queen mit dem Verdienstorden Most Excellent Order of the British Empire ausgezeichnet, er trägt nun den Titel OBE. Barlow lernte seine Frau Dawn Andrews 1988 kennen, das Paar hat drei Kinder.

Karrierebeginn: 1981–1990

Wie Barlow in seiner Autobiografie My Take beschreibt, genoss er nie eine schulische/universitäre musiktheoretische Ausbildung; als Kind ließ er sich einen kleinen Synthesizer schenken und lernte die technischen Grundlagen des Instrumentes durch Ausprobieren und das Nachspielen von Liedern der aktuellen Hitparade, insbesondere Songs der Band Depeche Mode, welche starken Gebrauch von Synthesizern machten und machen. Später nahm er Klavierunterricht bei Chris Greenleaves, einem Musiker aus der Nachbarschaft, der ihm außerdem das Notenlesen beibrachte. Barlows langjähriger Freund und Songwriter-Kollege Eliot Kennedy erzählte in der BBC-Dokumentation When Corden met Barlow (dt. Als Corden auf Barlow traf; 2014): „Jeder, der wirklich eine musikalische Karriere einschlagen möchte, opfert die BMX-Jahre seiner Kindheit, wie ich sie nenne: All die Zeiten, wenn deine Freunde draußen mit ihren Rädern unterwegs sind. Diese Jahre existieren für einen Musiker nicht, denn du bist in deinem Zimmer und lernst dein Instrument. Und Gary entsprach dieser Beschreibung auf den Punkt.“

Innerhalb eines Jahres hatte er seine Fertigkeiten weit genug ausgebaut, um einen Minijob als Unterhalter und Begleitmusiker in einer lokalen Bar anzunehmen. Nach und nach nahm er weitere Jobangebote in den umliegenden Dörfern an und war schließlich an fast jedem Abend in Nordwestengland und Nordostwales beschäftigt. Da seine Familie von seinem bald stattlichen Einkommen nicht abhängig war, konnte er es in weiteres, besseres Live-Equipment sowie ein Heimstudio investieren, welches schließlich sein gesamtes Zimmer einnahm und ihn zum schlafen auf die Wohnzimmercouch verdrängte. In den Clubs musste er die gewünschten Lieder spontan vom Blatt spielen, wodurch er schon früh einen Einblick in die Struktur und Gestaltung der größten Hits diverser Genres des 20. Jahrhunderts erhielt. Mit diesem Wissen begann er mit 14 Jahren, eigene Lieder zu schreiben. Im Alter von 15 Jahren komponierte er so 1986 unter anderem den späteren Take-That-Hit „A Million Love Songs“ sowie das Weihnachtslied „Let’s Pray for Christmas“, womit er den zweiten Platz beim Jungkomponistenwettbewerb A Song for Christmas der BBC-Familiensendung Pebble Mill gewann. Mit seinem Einzug ins Finale der Sendung ermöglichte die BBC Barlow seine erste professionelle Studioaufnahme in den Londoner West Heath Studios unter der Leitung von Produzent Bob Howes. Howes wurde über die Sendung hinaus zu Barlows erstem Ansprechpartner in der Musikindustrie und wichtigem Mentor während seiner frühen Karriereschritte.

In den Clubs weitete sich Barlows Tätigkeitsfeld schon bald vom Begleitpianisten bzw. -keyboarder zum alleinigen Abendprogramm aus. Mehrere Stunden pro Abend hatte er die Besucher zu unterhalten. Einen weiteren Lerneffekt entnahm Barlow so der Tatsache, dass es für einen jungen Unterhaltungskünstler kaum ein härteres Publikum gebe als nordenglische, erschöpfte, angetrunkene Arbeiter. Gordon Smart von der Scottish Sun kommentierte: „Er musste schnell erwachsen werden, weil er in den Arbeiterclubs arbeitete. So musste er als Fünfzehnjähriger mit grölenden Männern zurecht kommen, die an einem Samstagabend bereits zwei Liter Bier intus hatten und ihn unentwegt anpöbelten. Wissen Sie, was für eine großartige Ausbildung so etwas für jeden Darsteller ist?“ Über mehrere Jahre hinweg spielte Barlow im Halton Legion gemeinsam mit Schlagzeuger John Tedford, mit welchem er auch 1987 unter dem Namen Stax den auf 500 Pfund dotierten ersten Platz des Club Act of the Year Wettbewerbes der Weekly News gewann. Zeitgleich nahm Barlow mit seinem Song „Now We’re Gone“ am landesweiten Wettbewerb Schools Make Music teil, welcher im seine ersten Zeitungsinterviews, den ersten Preis und damit – da der alljährliche Wettbewerb von EMI gesponsert wurde – seine erste Aufnahme in den berühmten Londoner Abbey Road Studios einbrachte. Nach seinem Schulabschluss im gleichen Jahr baute er seine abendlichen Gigs weiter aus und wurde immer professioneller und besser ausgestattet. Je nach Standort verdiente er so zwischen 50 und 100 Pfund pro Abend und damit bereits besser als seine Eltern, einer Labortechnikerin und dem Projektingenieur eines Düngemittelunternehmens. Mit 17 Jahren machte er den Führerschein und dehnte auch geografisch seinen Arbeitsbereich weiter aus.

Im 50 Kilometer entfernten Manchester bewarb er sich schließlich bei diversen Labels und machte sich auf die Suche nach einem Manager. Sein erster Anlauf endete 1989 mit dem Musikvideo „Love Is in the Air“ unter dem Künstlernamen Kurtis Rush. Das Lied wurde weder von Barlow geschrieben noch von ihm gesungen. Es sollte ihm zu einem Karrierestart verhelfen, der Versuch scheiterte. Bei den Dreharbeiten lernte der 17-jährige Barlow allerdings die ein Jahr ältere Tänzerin Dawn Andrews kennen, die elf Jahre später seine Frau und Mutter seiner Kinder werden sollte. Auf Bob Howes Anraten hin löste sich Barlow aus dem voreilig und ohne Absprache mit Eltern und Mentor geschlossenen Management-Vertrag. Im erneuten Anlauf lernte er Manager Nigel Martin Smith kennen, welcher ihn unter Vertrag nahm und für seine Idee einer Boyband als Antwort auf den US-Hit New Kids on the Block umwarb. In der Hoffnung, seine Karriere mit Smiths Hilfe endgültig ins Rollen zu bringen, schlug Barlow ein zeitgleich eingegangenes Angebot aus, ein Jahr lang als Pianist und Entertainer auf einem Kreuzfahrtschiff mitzureisen. Statt dessen stimmte er der geplanten Boyband zu und wurde mit fünf weiteren Kandidaten zu einem gesonderten Casting in einen örtlichen Club geladen.

Quelle: Wikipedia.org