20.10.2020 | Lifestyle You really got me: Detektei mit TÜV-Zertifizierung – die erste in ganz Deutschland

Wer hat als Kind nicht gerne Detektiv gespielt? Manche haben diesen Traum zu Beruf gemacht - doch für den Beruf des Detektivs gibt es keine Ausbildungspflicht. Theoretisch kann jeder, der will, sich als Detektiv betätigen - mit nicht immer positiven Ergebnissen. Eine neue TÜV-Zertifizierung verschafft Kunden aber mehr Sicherheit.

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Für den Beruf des Detektivs gibt es keine Ausbildungspflicht. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Theoretisch kann jeder, der sich dazu berufen fühlt, sich als Detektiv betätigen. In der Praxis handelt es sich beim Beruf des Detektivs um ein Gewerbe, für das ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis die einzige Voraussetzung ist. Das macht es für potentielle Mandanten so schwierig, einen professionellen und seriösen Privatermittler zu finden.

Praxisbeispiele und positive Kundenstimmen waren lange Zeit die einzigen Beweise für die Leistungsfähigkeit einer Detektei. In der Vergangenheit haben nicht qualifizierte Detekteien immer wieder von sich reden gemacht, weil sie mit teilweise zwielichtigen oder illegalen Methoden Informationen beschafft haben. Das hat dem Berufsstand und der Branche mehr geschadet als genützt.

DIN SPEC 33452 stärkt das Image der Privatermittler

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Die DIN SPEC 33452 ist eine Vorstufe für eine DIN-Norm. Sie legt rechtlich und wirksam fest, inwiefern ein Privatdetektiv tatsächlich als Ermittler geeignet ist. Unterstützt wird diese Initiative von der Zentralstelle für Ausbildung im Detektivgewerbe (ZAD), dem Bund Internationaler Detektive (BID) und der International Federation of Associations of Private Detectives (IKD – Internationale Kommission der Detektivverbände). Diese TÜV-Zertifizierung erhalten nur Detekteien, die in diesem Beruf ausgebildet sind und eine entsprechende Prüfung abgelegt haben. Eine entsprechende Fach- und Berufskundeprüfung nehmen die Industrie- und Handelskammern ab. Detektive, die keine adäquate Ausbildung haben und so tätig sind, können diese Zertifizierung nicht erhalten. Die erste Detektei, die sich den Bestimmungen der DIN SPEC 33452 gestellt hat, ist die Detektei Lentz. Nach monatelangen, internen Vorbereitungen hat der TÜV in einem mehrere Tage dauernden Verfahren geprüft, ob die Detektei tatsächlich den Bestimmungen entspricht.

Diese Zertifizierung bedeutet für die Mandaten in ganz Deutschland Sicherheit. Denn sie gibt Zeugnis davon, dass die Detektive adäquat und rechtskonform handeln, die Datenschutzrichtlinien einhalten, Persönlichkeitsrechte wahren, seriös arbeiten und auch davon, dass die Detektive gut ausgebildet sind. Die Ermittler tragen die Berufsbezeichnung „ZAD-geprüfter Privatermittler (IHK)“.

Was bedeutet DIN SPEC?

Klassische DIN-Normen sind im Alltag überall anzutreffen, beispielsweise bei der Normung der Papiergröße für Drucker (DIN A4-Format). Die Deutsche Industrienorm DIN ist ein freiwilliger Standard, den das Deutsche Institut für Normung erarbeitet hat. Darin sind materielle und immaterielle Dinge vereinheitlicht. Eine DIN SPEC ist die Vorstufe einer Deutschen Industrienorm. Die DIN SPEC 33452 ist seit Januar 2017 für die öffentliche Einsicht freigegeben. Daraus soll in weiteren Schritten eine DIN-Norm entstehen.

Die DIN SPEC 33452 ist speziell für die Qualitätssicherung bei privaten oder Wirtschaftsermittlungen vorgesehen. Sie legt die Rahmenbedingungen für die Arbeit als Detektiv fest und bestimmt die Anforderungskriterien. Zudem hat sie eine Außenwirkung: Mandanten können daran die geprüfte und nachweisbare Qualität erkennen. Die Zertifizierung nach DIN SPEC 33452 ist kein einmaliges Verfahren. Eine Detektei, die sich danach zertifizieren lässt, muss jedes Jahr eine Zertifizierungsmaßnahme absolvieren. Die Norm ist fundiert und greift beim Zertifizierungsverfahren auf valide Messgrößen zurück. Das stellen die an der Erstellung der Norm beteiligten Institutionen sicher.

DIN EN ISO 9001:2015 als weiteres Qualitätsmerkmal

Diese DIN ISO-Norm bewertet das Qualitätsmanagement innerhalb eines Betriebes. Es zeugt von hoher Servicequalität und fachgemäßen Betriebsstrukturen. Das zeigt potentiellen Mandanten ein konstant hohes Niveau der Produkte und Dienstleistungen.

Wer braucht einen Privatdetektiv?

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Die Einsatzgebiete von privaten Ermittlern sind vielfältig. Sie arbeiten im privaten Bereich und ermitteln beispielsweise bei Partnerproblemen, vermissten Personen, Sorgerechtsstreitigkeiten, Kindesrückführung, Unterhaltsdifferenzen, Schriftgutachten, Nachbarschaftsstreitigkeiten, Heiratsschwindel, Drohbriefen, Stalking oder Nachstellung. Auch aus der Wirtschaft sind die Aufträge vielfältig. Das Repertoire geht von Abhöraktionen über IT- und Computer-Forensik, Versicherungsbetrug, Due-Dilligence, Einschleusung, Nebentätigkeiten, Diebstahl bis hin zu unlauterem Wettbewerb, Anlagebetrug oder Wirtschaftsspionage.

Angesichts der umfangreichen Einsatzmöglichkeiten kann sich jeder leicht vorstellen, dass für diesen Beruf eine fundierte Ausbildung notwendig ist.

Was muss ein ZAD-geprüfter Privatermittler (IHK) alles lernen?

Für den ZAD-geprüften Privatermittler gibt es verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten. Es gibt Intensivkurse, die etwa zehn Monate dauern. Der Abschluss muss nicht zwingend mit IHK-Zertifikat erfolgen. Allerdings gibt es ohne IHK-Zertifikat auch keine Zertifizierung nach DIN SPEC 33452. Für das IHK-Zertifikat gibt es einen Kombikurs, der in 22 Monaten alle relevanten Inhalte vermittelt und für die fachmännische Berufsausübung qualifiziert. Dabei lernen die Teilnehmer nicht nur operative Techniken kennen, sondern auch theoretisches Wissen aus Kriminalstatistik, Psychologie und Recht. Die Abschlussarbeit ist dreigeteilt. Die schriftliche Prüfung dauert etwa drei bis vier Stunden, die mündliche 30 bis 45 Minuten. Darüber hinaus müssen die Teilnehmer eine schriftliche Thesenarbeit verfassen. Die These gibt eine Prüfungskommission vor. Die Prüflinge schreiben dazu etwa zehn bis 15 DIN A4-Seiten auf universitärem Niveau.

Für die Ausbildung sind nur Teilnehmer zugelassen, die mindestens 24 Jahre alt sind und deren wirtschaftliche und sonstigen Lebensverhältnisse nachweislich geordnet sind. Wer bereits Vorwissen aus dem Bereich der Rechtswissenschaften mitbringt oder schon im Polizeidienst gearbeitet hat, bringt die besten Voraussetzungen mit. Angehende Detektive brauchen ein seriöses Auftreten und müssen sehr verschwiegen sein. Technisches Know-how ist hilfreich. Wichtig sind ein gutes Merk- und Konzentrationsvermögen.