08.01.2019 | Fun & Facts Die Clubkultur im Wandel – Zwischen Politik und Kommerz

Die Kultur rund um das Feiern, Konzerte, vor allem aber auch Clubs und Diskotheken war schon immer im Wandel und wird immer im Wandel sein. Doch in welche Richtung tendiert der aktuelle Wandel und wie ist er zu bewerten?

Foto: fotolia.de © bernardbodo Clubs, in denen auch ordentlich getanzt werden kann, scheinen so gut besucht, wie kaum zuvor. Dennoch haben sie mit politischen Einschränkungen und der Kommerzialisierung diverser Lebensbereiche zu kämpfen.

Die Kultur rund um das Feiern, Konzerte, vor allem aber auch Clubs und Diskotheken war schon immer im Wandel und wird immer im Wandel sein. Wichtig ist, genau hinzuschauen, in welche Richtung aktueller Wandel tendiert und ob diese Entwicklung positiv oder negativ zu werten ist.

Bezieht man Stellung für die Clubkultur, sieht man sich schnell der Problematik der Kommerzialisierung ausgesetzt. Und das in zweierlei Dimension: Zum einen fallen beispielsweise Kulturorte der Gentrifizierung und Bebauung mit Hotels, Townhouses und Bürokomplexen zum Opfer, zum anderen findet eine Kommerzialisierung innerhalb der Clubkultur selbst statt. Es stellt sich die Frage, wie weit und in welcher Form sich Clubkultur ins Kommerzielle verändert. Tut die Politik außerdem etwas für die Clubkultur und ist die Clubkultur selbst wiederum politisch?

Berlin: Ein Beispiel für die politische Dimension von Musik

Clubkultur bedeutet vor allem auch: Musik. Und das mit all ihren Potenzialen. Dass Musik und Tanzflächen soziales Engagement und politisches Bewusstsein fördern können, dafür steht exemplarisch keine andere Stadt Deutschlands und wohl auch Europas so sehr, wie Berlin. Das zeigt ein Blick in die Vergangenheit.

Der Ruf der Berliner Clubkultur (und vor allem auch der Technomusik) ist längst Teil der Geschichte der Stadt. In der Dokumentation, bzw. dem Essayfilm "B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979-1989" erzählen die deutschen Filmemacher Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck und Heiko Lange über die Westberliner Avantgarde-Szene, die Hausbesetzerszene und die Anfänge der frühen Loveparade. In der Geschichte um den seit 1978 in Deutschland lebenden Künstler Mark Reeder kommen diese Szenen und das Zeitgeschehen in der geteilten Stadt zusammen. Dabei wird deutlich, wie stark der Einfluss von Musik und Kultur auf die Menschen und die Politik gewesen ist, wie sehr diese Bereiche dazu beitragen konnten, die Brücke zwischen Ost- und Westberlin herzustellen und zum Mauerfall im Jahr 1989 beizutragen.

Die sozial bewusste Generation der 80er und auch der 90er Jahre prägte die Kunstszene und neu angekommene Genres der Punk- und vor allem der Technomusik. Freiräume für Kultur wurden in verlassenen Gebäuden geschaffen, Menschen kamen zusammen und konnten gemeinsam unpolitisch sein inmitten des politischen Kontextes. All das trug zur Entstehung der Gegenkultur bei, die man Berlin heute nachsagt – das Berliner Nachtleben war und ist heute noch intensiv und versprüht das Gefühl von Freiheit und von Erleichterung.

Aber trifft das auf die heutige Clubkultur im Allgemeinen zu? Ist sie noch politisch oder oft auch eher kommerziell?

Clubkultur heute – Politisch oder kommerziell?

Gerade wenn es um den Techno in der Hauptstadt, aber genauso auch in zahlreichen anderen größeren Städten geht, könnte man meinen, der Clubkultur gehe es so gut, wie vielleicht nie zuvor. Außerdem gibt es, abseits Techno- und Electro-Clubs, für die Berlin international so bekannt ist, auch einige Locations an denen Rock, Punk und Alternative in Clubatmosphäre genossen werden kann – auch, wenn diese oft unter den Tisch fallen. Es gibt unterschiedlichste Milieus, die sich als Szenewirtschaft reproduzieren und nichts miteinander zu tun und gemein haben, außer, dass sie eine gemeinsame Clubkultur und Musik teilen. Intern jedoch sind sie stark ausdifferenziert, ziehen ein unterschiedliches Publikum an, bieten vielen Menschen Raum zur Identifikation und zur Entfaltung. Ja, Clubs gelten als echter Wirtschaftsfaktor. Doch genau darin liegt teilweise auch ein Problem. Die Gentrifizierung vieler Stadtteile in Großstädten, in denen die Kultur bis dato einen Raum hatte, sich auch im Untergrund und im Kleinen zu entfalten, sorgt für ein Sterben einiger Clubs und Lokalitäten. Spontanen Raves wird ein Strich durch die Rechnung gemacht, usw. Einige, die sich mit der Thematik beschäftigen, fordern deshalb, dass die Clubszene proaktiv werden müsse und es mehr Menschen bräuchte, die sich auch mit den eher langweiligen Aspekten des Feierns auskennen müssten. Solche also, die sich um Lärmschutzfragen, Baurecht und andere Formalitäten kümmern. In einer professionelleren Szene würde auch besser verhindert werden können, dass DJs etwa ihren Gig nicht kurzfristig absagen, weil sie zu viel konsumiert haben. Insgesamt würde alles verlässlicher und erwartbarer werden. Doch gerade auch gegen diese "Professionalisierung" der Clubszene gibt es eine Menge Vorbehalte.

Denn eine Dimension der Professionalisierung ist unbestreitbar auch die Kommerzialisierung von bestimmten Clubs. Die ursprüngliche Szenewirtschaft hat das Ziel, ein bestimmtes Erlebnis zu produzieren. Clubs wollen Menschen Raum geben, die Musik zu fühlen, sich dem Moment hinzugeben, ohne genau zu wissen, was kommt, wen man trifft, wen man lieben lernt, welche neuen Dinge man ausprobiert. Werden diese Szenen professioneller gestaltet, nehmen mitunter auch Leute daran teil, die vielleicht aus anderen Gründen mitmachen, als aufgrund der Hoffnung auf das Erlebnis. Es geht dann vielleicht eher darum, Gewinn zu erwirtschaften oder Politik zu machen. Die Chance, dass sich die ursprünglich angedachten Erlebnisse weiter reproduzieren, sinkt dann kontinuierlich.

Auch wenn die Frage nach der Erhaltung der Clubkultur durch externe Maßnahmen nicht einfach zu beantworten ist, kann man wohl festhalten, dass es wichtig ist, zunächst den kulturellen Wert der Clubszene zu verstehen. Anschließend wäre zu überlegen, wie eine Förderung aussehen könnte und ob eine solche überhaupt sinnvoll ist, oder ob sie nicht doch eher das Gegenteil von dem bewirkt, was sie zu bewirken versucht.

Die heutige Musik in den Clubs

Über die Clubkultur hinaus kann auch die Musik, die in jenen Clubs stattfindet, als solche mehr oder weniger politisch motiviert sein, bzw. politische Ansichten transportieren. Sie bedarf deshalb ebenso einer Betrachtung, wenn man über die Kommerzialisierung und eventuelle Entpolitisierung von Clubkultur spricht. Wo der Techno als Musik selbst in den meisten Fällen einen unpolitischen Charakter hat und diese Dimension eher in der Türpolitik und Ausrichtung der Clubphilosophie erahnbar wird, ist die Politik bei der Rockmusik und im Punk sowie im Hip-Hop, bzw. im Rap doch schon viel konkreter.

Foto: fotolia.de © vladimirhodac Rock und Punk finden heute leider in zu wenigen Clubs statt. Getanzt wird zu Rap, der auch politisch sein kann. Leider wählen viele DJs Musik aus, die in den Charts vertreten ist und der es an inhaltlicher Tiefe und Reife oft mangelt.

Nicht zuletzt steht der Punk schon aus seiner Grundhaltung heraus meist für eine eher anarchische Weltsicht. Wenn es sich auch bei den meisten bekannten Bands nicht wirklich um eine ernsthafte politische Perspektive im Sinne anarchistischer Theorie handelt, spricht aus den Texten doch oft eine strikte Ablehnung herrschender Verhältnisse. Die politische Dimension ist oft die Ablehnung jeglichen bestehenden politischen Geschehens. Das kann Hörer und Clubbesucher zum Denken anregen. Die Rockmusik hat sich, im Unterschied zum Punk, noch konkreter und spezifischer als politisch positiv einsetzbares Werkzeug, bzw. als Synthese aus Kunst und Waffe gegen beispielsweise blinde Konformität und Diskriminierung erwiesen. Pink Floyd etwa besangen mit ihrer Rock-Oper The Wall von 1979 und dem Statement "Wir brauchen keine Erziehung, wir brauchen keine Gedankenkontrolle... Lehrer, laßt die Kinder in Ruhe" das konzentrierte Substrat der antiautoritären Epoche. Und "Rock against Racism" in London 1978 und "Rock gegen Rechts" in Frankfurt 1979 waren schließlich keinesfalls erfolglose Versuche, Musik und Politik in Einklang zu bringen.

Leider sind die Locations, an denen sich heute Rock- und Punkmusik noch außerhalb größerer Konzertrahmen genießen lassen können, begrenzt. Man muss schon in Städte gehen, wie Berlin, um die Wahl zwischen vielen verschiedenen Clubs zu haben. In der Hauptstadt etwa finden sich etwa im Lido, im Astra Kulturhaus, im Privat Club, im Musik und Frieden, im Grünen Salon oder auch im Freiheit Fünfzehn immer wieder Rocker und Punks ein, um Musik und oft auch Newcomerbands nach ihrem Geschmack zu lauschen.

Die Rapmusik wiederum, die neben dem Techno wohl den größten Teil der in Clubs repräsentierten Musik darstellt, lebt einerseits von den Beats, andererseits aber – vor allem – auch von den Texten. Viele Rapfans sind der Meinung, politische Texte habe es vermehrt in der Vergangenheit gegeben. Dabei fallen immer wieder die gleichen Namen. Und das nicht ohne Grund, sind doch Tracks, wie "Fremd im eigenen Land" von Advanced Chemistry, "Adriano" von den Brothers Keepers oder "Weck mich auf" von Samy Deluxe noch immer politisch relevant.

Doch auch heute – und das wird oft unterschlagen – gibt es noch zahlreiche Rapper, die aus der Masse herausstechen und die Rap machen, der anders ist. Der mitunter sogar einmal eine politische Dimension bekommt und Menschen zum Denken anregt, auch wenn sie gerade zur Musik im Club feiern und abtanzen. Es ist wichtig, Clubs zu unterstützen, die DJs eine Plattform bieten, die ebenjene Künstler im Repertoire haben und für den oft unpolitischen Mainstream eine ernstzunehmende Alternative darstellen. Wenn schon die Präsenz von Rock und Punk in der Clubkultur verblasst, sollten zumindest die reflektierten anderen Clubs unterstützt werden, die, die ihre Künstler noch bewusst auswählen.

Wenn die Politik dem Feiern in die Quere kommt…

Schauen wir uns am Beispiel der etwa in Sachsen staatlich verordneten Feierpause, der Sperrstunde, genauer an, wo und wie die Politik Feiernden einen Strich durch die Rechnung macht und was es daran zu kritisieren gibt.

Man stelle sich folgende Situation vor: In einem typischen angesagten Club in der Großstadt kocht die Stimmung um 4 Uhr morgens, die Leute sind im Rausch, tanzen sich den Stress der Woche vom Leib, leben sich miteinander aus, haben Spaß. Eine Stunde später, um 5, werden die Leute vor die Tür gesetzt. Eine ganze Stunde lang ist Sperrstunde, Putzstunde, Feierpause, wie auch immer. Dass das der Stimmung nicht gerade zuträglich ist, dass einige lieber nach Hause gehen, als eine Stunde im Freien zu warten, oder dass sie erst gar nicht feiern gehen, weil sie wissen, was kommt, steht außer Frage. Allein die Tatsache, dass Leipziger eine große Petition starten mussten, um die Existenz des Instituts für Zukunft (kurz IfZ) zu retten, einer der bekanntesten Club Deutschlands, spricht Bände. Als der Stadtrat im August 2018 endlich den Weg für das Feiern ohne Pause frei machte, berichtete die Presse vornehmlich befürwortend darüber. Zahlreiche Unterstützer bekundeten ihre Freude und riefen zu weiterer Unterstützung einer lebendigen, vielfältigen Club- und Partykultur in Leipzig auf. Und tatsächlich ist die Feierpause ein Präzedenzfall und sollte daher auch nach ihrer Aufhebung immer wieder als Beispiel der Gefährdung der Clubkultur dienen.

Foto: fotolia.de © Carsten Kattau Neben Dingen wie Sperrstunden haben Clubs stets auch mit Gentrifizierungsmaßnahmen zu kämpfen.

Aber lassen wir an dieser Stelle jene zu Wort kommen, die die Sperrstunde noch direkter betrifft, als die Feiernden, die nämlich, die von der Politik abhängig sind oder die sich einmischen. Olaf Möller, politischer Sprecher beim Verband der Musikspielstätten in Deutschland, findet, dass die Lärmbeschwerden aus der Nachbarschaft, die das Ordnungsamt veranlasst haben könnten, beim erwähnten IfZ genauer hinzuschauen und Konsequenzen zu ziehen, eine Frechheit sind: 

„Völliger Quatsch. Also, aus unserer Sicht. Diese Sperrstunde nützt keinem was, von fünf bis sechs die Musik auszumachen, wenn Lärmschutzmaßnahmen ergriffen wurden oder Genehmigungen bereits erteilt wurden. Und sollten die vakant sein, dann nützt auch von fünf bis sechs nichts, Musik ausmachen, dann müsste man es ja die ganze Nacht machen. Also, diese Regelung ist völliger Humbug und die gehört entfernt bzw. abgeschafft. […] Gerade bei dem Thema Kulturraumschutz ist eigentlich die höchste Alarmstufe, weil es auch beim Thema Lärm um ein Umdenken geht. Also, einmal, ob Kulturlärm toleriert werden kann oder nicht. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, die Kultur zu schützen, indem man zum Beispiel den Messpunkt von Lärm hinter die Fenster packt, statt einen halben Meter davor.“ 

…und wenn sie sich für das Feiern stark macht

Einige Parteien sehen allerdings (natürlich auch immer im Rahmen ihres Parteiprogramms und hinsichtlich des Wahlerfolges) ebenfalls die Relevanz der Themen Clubkultur, Stadtentwicklung, Drogenpolitik und allem, was sonst für junge Menschen zum Feiern dazugehört. Das Magazin "Vice" hat vor der Berlin-Wahl 2016 mit einigen Parteien gesprochen, um deren Engagement oder Interesse für die Clubkultur zu hinterfragen. Gerade ein Blick auf die Ansichten der Linken, der Grünen und der SPD zeigt, dass die Politik durchaus darum weiß, welch kultureller Wert in der Szene steckt:

Die Linke

  • Man sehe, dass die große und vielfältige Clublandschaft Berlins ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und ein ganz wesentlicher Bestandteil des kulturellen Lebens sei. Man müsse sicherstellen, dass die Lebendigkeit dieser Szene nicht der wirtschaftlichen Entwicklung und der Aufwertung der Kieze zum Opfer falle
  • Das Wegbrechen von Freiräumen, in denen sich die Club- und Kulturszene bisher entwickeln konnte, erfordere politische Strategien zur Sicherung dieser Vielfalt. Durch politisches Handeln müsse verhindert werden, dass die Szene an den Stadtrand verdrängt wird und in den gentrifizierten Stadtteilen der Innenstadt nur noch durchkommerzialisierte Angebote bestehen können. Die Linke fordere etwa, dass bei herannahender Wohnbebauung die Bauherren selbst für ausreichenden Immissionsschutz Sorge tragen müssen. Dass Bauherren die Kosten für aktive Lärmschutzmaßnahmen an Clubs insoweit tragen, als sie durch die geplante Baumaßnahme erforderlich werden, sei nach Möglichkeit rechtlich zu verankern
  • Ein genereller Lärmschutz müsse für die Anwohnerinnen und Anwohner natürlich gewährleistet werden. Außerhalb von Wohngebieten allerdings seien auch erhöhte Immissionswerte denkbar. Wo Anwohnerinnen und Anwohner betroffen sind, sollte gemeinsam nach Lösungen gesucht und sollten aktive wie passive Lärmschutzmaßnahmen ergriffen werden. Unterstützung für solche Maßnahmen könnte beispielsweise über die Wirtschaftsförderung des Landes zur Verfügung gestellt werden
  • Die Partei stehe für eine moderne, aufgeklärte und rationale Drogenpolitik. Die Strategie der Kriminalisierung und Repression des Drogenkonsums sei gescheitert, da sie den Konsum von Drogen nicht einschränke, sondern Konsumierende in die Illegalität zwinge. Dadurch verhindere sie gerade eine wirkungsvolle Prävention und Aufklärung. Ein grundsätzliches Umdenken sei daher gefordert, um einen verantwortungsvollen Umgang mit Rauschmitteln sicherzustellen. In Berlin etwa solle sich über den Bundesrat, auf Bundesebene, für eine regulierte Abgabe von Cannabis stark gemacht werden
  • Die Partei wolle ein Modellprojekt zur Durchführung von Drugchecking in Berlin starten, um die gesundheitlichen Gefahren für Konsumentinnen und Konsumenten zu verringern. Das sei auch unter den geltenden bundesrechtlichen Vorgaben möglich.
Foto: fotolia.de © kasto Einige Politiker suchen das Gespräch mit jungen Menschen, Clubbetreibern und Betroffenen. Wichtig ist, dass nicht eingehaltene Wahlversprechen kritisiert und der Wert der Clubkultur weiterhin betont wird.

Die Grünen

  • Die Grünen sind der Meinung, dass die Berliner Clubkultur für das Berlin stehe, an das auch die Partei glaube. An ein pulsierendes und entspanntes Berlin, reich an Kreativität und Leidenschaft, einen Sehnsuchtsort für Millionen von Gästen aus aller Welt. Die Clubkultur gehöre zur urbanen Vielfalt einer weltoffenen Metropole und sei nicht zuletzt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor von dem bis zum Kiez-Späti viele Teilnehmende und Betroffene profitieren
  • Man teile die Sorge, dass viele der Clubs durch Aufwertungsprozesse in ihrer Existenz bedroht seien. Es ginge deshalb darum, Berlins lebendige Clubkultur zu erhalten, Standorte zu sichern und bei Konflikten mit Anwohnerinnen und Anwohnern für einen fairen Interessenausgleich sorgen. Bei Bauvorhaben neben Kultur- oder Clubstandorten sollen Investoren den Lärmschutz von Anfang an berücksichtigen. Das stehe sogar so im Wahlprogramm
  • Grundsätzlich gelte, dass nicht nur bei Clubs, sondern auch bei anderen kleineren und sozialen Einrichtungen knappe Gewerberäume und steigende Mieten zum existenziellen Problem werden. Die Grünen wollen daher lebendige Quartiere zum Beispiel mit Maßnahmen gegen spekulativen Leerstand, der Einführung eines Gewerbemietspiegels und einer Gewerbemietpreisbremse erhalten
  • Die Partei halte es für sinnvoll, Geld für kleinere Events und Subkultur in den Kiezen einzusetzen und Geld in Tonstudios, Proberäume und Dinge, die dazugehören, zu investieren, damit die Berliner Musikszene strukturell gefördert werde
  • Auch die Grünen forderten eine Reform der Drogenpolitik, wobei es vor allem um Jugendschutz, Prävention, Hilfe, Schadensminderung und Entkriminalisierung gehen müsse. Durch die Förderung von Safer-Use-Maßnahmen wie etwa dem Spritzentausch könne zumindest ein Teil der Gesundheitsrisiken vermieden werden. Außerdem müsse es systematische präventive Aufklärung an Schulen und im Freizeitbereich durch mehr qualifiziertes Personal geben. Strafverfolgungsbehörden seien für eine zeitgemäße Suchtprävention nicht geeignet. Ebenfalls sei eine gesellschaftliche Debatte über den mündigen Umgang mit Drogen zu führen.

Die SPD

  • Clubs sind nach Ansicht der SPD ein Impulsgeber für Tourismus, für Stadtentwicklung, Fashion, Film und die Kultur- und Kreativwirtschaft. Man bekenne sich daher schon seit Langem zur Bedeutung der Berliner Musikszene und Clublandschaft sowohl als wirtschaftlicher, als auch als kultureller Wert. Bereits jetzt habe sich die Partei an vielen Stellen dafür eingesetzt, diese Wertschätzung auch finanziell zu untermauern
  • Die paradiesischen Zustände der Clubkultur der 1990er Jahre seien vergangen, da könne man nichts dagegen sagen. Das Clubkataster Berlin, das das Musicboard vergangenes Jahr entwickelt hat, zeige, dass es eine Wanderung gibt, aber von einem Clubsterben könne keine Rede sein. Veränderungsprozesse seien ganz normal
  • Lärmkonflikte werden nach Ansicht der Partei dann am besten gelöst, wenn sie vor Ort im nachbarschaftlichen Austausch geklärt werden, bevor es zu einer juristischen Auseinandersetzung kommt. Man begrüße das Engagement der Clubcommission, Betreiber zu schulen und zu ermutigen, den Austausch zu suchen. Das sei ein wichtiger Baustein hin zu mehr nachbarschaftlichen Lösungen. Die Verwaltung solle sich zukünftig außerdem noch flächendeckender als Moderatorin sich androhender Konflikte verstehen. Dafür setze man sich ein. Es sei das Ziel, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Lage sind, Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu moderieren
  • Ein wichtiger Schwerpunkt der parteilichen Drogenpolitik liege in der Prävention. Sondermittel in Hinblick auf die Aufklärung zum Thema Cannabis seien etwa im aktuellen Haushalt bereitgestellt worden, eine Diamorphinambulanz eröffnet und Maßnahmen der interkulturellen Öffnung der regionalen Suchthilfedienste gestärkt worden. Das neue Aktionsprogramm Gesundheit biete zudem einen neuen präventionspolitischen Rahmen für dieses wichtige Themenfeld. Weiterhin gäbe es in der Berliner SPD seit einiger Zeit schon eine Diskussion darüber, inwieweit Cannabis ähnlich wie Zigaretten als Genussmittel einzustufen und der Erwerb daher zu liberalisieren sei. Allerdings entschied sich bei einer Befragung der knapp 17.000 Mitglieder der Partei zum Wahlprogramm eine knappe Mehrheit von 44 Prozent zu 43,2 Prozent gegen die Liberalisierung von Cannabis. Die Berliner SPD plane deshalb keine Initiative für eine Änderung des gegenwärtigen Rechtsrahmens für den Konsum von Cannabis.

Politik und Musik zusammendenken

Foto: fotolia.de © Семен Саливанчук Bewusster Clubbetrieb sucht sich auch seine Bands und DJs ganz genau aus.

Viele Clubs denken schon seit Längerem Musik und Unterhaltung, die sie anbieten, mit Politik zusammen. Diverse Standards, vor allem wenn es etwa um Themen, wie Gleichberechtigung, Solidarität und ähnliche emanzipatorische Ansätze geht, werden von ihnen längst als Grundlage angesehen, auf der harmonisches Clubleben für alle Beteiligten funktionieren kann und eine Zukunft hat. Dabei geht die Clubphilosophie darüber hinaus, zu sagen: "Hier kann man herkommen, Alkohol trinken und die Musik genießen". Man stellt stattdessen in Frage, wer der DJ ist oder ob es ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis der Leute gibt. Wird solch ein Prinzip dann mal nicht praktiziert, fällt das auf und es wird gefragt, woran das liegt und betont, dass das ein Problem darstellt. Indem bestimmte Status quos hinterfragt werden und indem stets überlegt wird, wie man etwas besser machen kann – etwa im Rahmen von Diskussionsveranstaltungen oder Vorträgen, die neben dem normalen Clubbetrieb stattfinden – sorgt man für eine Entwicklung, die die Clubkultur nachhaltig stärken und als bedeutendes Kulturgut im Gespräch halten soll.

Ein Beispiel für das gelungene Zusammenspiel aus Musik und Politik ist das Mensch Meier, ein Berliner Club- und Kulturhaus. Zum einen unterstützt und initiiert der Club zahlreiche engagierte Projekte, zum anderen verfügt er über ein "Awareness-Team" vor Ort. Dieses Team hilft dabei, die Tanzfläche sicher, offen und frei zu halten. Darüber hinaus ist das Mensch Meier eng mit Frei(t)räume, einer freien Berliner Open-Air-Operation, und mit der sozialen Bewegung "Reclaim Club Culture" verbunden. Letztere organisiert Protestaktionen gegen Rechtsextreme in Deutschland. Und nicht zuletzt ruft das Mensch Meier regelmäßig Clubnächte mit Diskussionsrunden zum Thema Clubkultur und -politik ins Leben. Ähnliche Konzepte und Positionierungen werden bereits in zahlreichen Städten, wie Berlin, Leipzig oder auch Hamburg von einigen Clubs in Angriff genommen oder bereits seit längerer Zeit aufgebaut. Wichtig ist, dass aber nicht nur bei der Subkultur, sondern auch in Clubs und Diskotheken, die sich mehr auf ein Mainstreampublikum ausrichten, die Nachricht ankommt, dass Clubleben politisch sein kann und vielleicht sogar sein muss. Kommt aus der Clubkultur mehr Politik, reagiert die Politik von außen vielleicht auch wiederum offener und positiver auf die Clubkultur im Allgemeinen.