04.01.2019 | Facts 5 gute Gründe, warum ihr ab und zu beim Instrumentendealer vorbeischauen solltet

Nicht immer, aber ab und zu lohnt es sich doch, sein musikalisches Equipment und dessen Zubehör mal live und vor Ort ins Auge zu fassen, statt im Netz.

Foto: fotolia.com © estradaanton Online geht alles, offline manchmal noch mehr. Das gilt auch bei Musikinstrumenten und deren Zubehör.

Ja, wir geben es zu. Wenn man einfach nur von den Gitarrensaiten des Modells, das man schon seit Jahren verwendet, einen frischen Satz braucht. Wenn man Picks benötigt, Trommelstöcke, Kabel, Ständer oder wirklich genau weiß, welches Neu-Instrument es sein soll, dann gibt es tatsächlich verdammt gute Gründe, auch bei diesem musikalischen Einkauf den zeitgenössischen Weg der späten 2010er zu nehmen und sich alles im Internet zu besorgen. Das ist komfortabel und man muss nicht die manchmal dutzenden Kilometer bis zum Musikladen seines Vertrauens zurücklegen. Allerdings: Ganz sollte man diese Dealer-Kunde-Beziehung nicht in die digitalen Weiten verbannen. Denn vor Ort gibt es einiges, was man im Netz nicht bekommt. Glaubt Ihr nicht? Unsere fünf Gründe überzeugen euch vielleicht vom Gegenteil.

1. Greift mal ins oberste Regal. Denn dort hängt bei den meisten Musikgeschäften das, was man sich als Otto Normalmusiker nicht immer gönnen kann oder möchte. Ganz genau. Wir sprechen hier von US-gefertigten Stratocasters, von Tribute Les Pauls, von Custom-gefertigten Precision Bässen. Kurz, die Riege der Instrumente, die preislich das, was der Durchschnittsdeutsche im Monat netto so verdient (es sind übrigens laut Statistik 1.890 Euro), spielend leicht überspringen können. Würde man sich diese Aushängeschilder der Instrumentenmacherkunst nachhause schicken lassen, sie ausprobieren und wieder zurücksenden? Könnte man zwar, würde es aber wohl eher nicht tun. Da ist das Zugreifen beim Händler deutlich leichter und nicht alle verschicken ihre teuren Edelstücke mit der gleichen Selbstverständlichkeit und gegen Rechnung durch die Republik, wie es bei einer 200-Euro Squier Telecaster der Fall ist.

Das gilt ja nicht nur für Gitarren und andere Instrumente. Man kann auch mit seinem Gerät anrücken, es aber mal an einem Oberklasse-Verstärker ausprobieren. Mal checken, was ein 900-Euro-Mikrofon von einem für 90 Euro unterscheidet. Je nachdem, um was für einen Laden es sich handelt und wie gut man mit dem Besitzer steht, darf man auf diese Tour vielleicht auch mal Unikate anfassen, bestaunen und bespielen, die sonst hinter Glas gesichert sind. 

Foto: fotolia.com © Robert Kneschke Custom gibt’s nur offline und vielleicht auch einen Profi, der das eigene, mitgebrachte Instrument mal schnell und unbürokratisch durchcheckt.

2. Schaut euch Neuheiten an, denn auch wenn wir alle von unserem Dealer natürlich in schöner Regelmäßigkeit mit Newslettern, Katalogen und Ähnlichem zuhause versorgt werden, so gibt es doch dabei eine Tatsache: Vor allem bei Dingen, die wirklich gravierend neu sind, nehmen wir mal ein ganz ausgefallenes Effektpedal als Beispiel, kann man die Sachen online noch so toll beschreiben, davon Videos oder Podcasts machen; wirklich begreifen und mit den eigenen Ohren hören, was daran so außergewöhnlich ist, kann man es doch nur live. Das ist das gleiche, als wenn man sich online beim Autohändler einen Neuwagen zusammenstellt. Wie er sich anfühlt, riecht, klingt, das merkt man alles doch nur, wenn man sich mal in ein echtes Modell reinsetzt. Gerade das richtige Feeling ist beim Instrumentenkauf wohl ebenso wichtig, wenn nicht gar wichtiger als nüchterne technische Facts.

3. Meet and great and learn, wenn sich mal wieder Leute in den Laden begeben, deren Klänge man vor nicht allzu langer Zeit noch zuhause auf der Anlage oder im Programm der ROCK ANTENNE genoss. Glaubt ihr etwa, dass Profimusiker immer einen Roadie schicken, wenn sie etwas Neues brauchen? Oder sich durchs Netz klicken vom Studio aus? Weit gefehlt. Müssen wir als Argument wirklich die legendäre Szene aus Blues Brothers mit Ray Charles erwähnen?

Es ist ja nicht so, als würden wir hier nur Behauptungen aufstellen oder uns auf Filmszenen stützen. Tatsächlich geben sich Profis in vielen Häusern vielleicht nicht die Klinke in die Hand, sind aber regelmäßiger Gast:

1. Vor wenigen Wochen, genauer am Nikolaustag 2018, war Axxis-Drummer Dirk Brand zu Gast beim Schongauer Musikhaus Kirstein, bot Workshops an und gab unzählige Kostproben.
2. Ein paar Jahre zuvor war Dream-Theater-Mitbegründer Mike Portnoy im Kölner Music Store zu Gast.
3. Bei der Musikmesse Frankfurt, Leistungsschau für die Instrumentenbauerszene, liefen u.a. Pop-Ikone Wincent Weiss, Pur-Keyboarder Cherry Gehring und Annihilator-Gitarrist Jeff Waters nicht nur herum, sondern gaben auch Workshops.

Natürlich gilt, dass selbst im kleinsten Laden noch ein solcher Besuch möglich ist, bloß muss man sich dafür natürlich dorthin begeben, sonst kann man hinterher nur im Netz davon lesen und sich ärgern. Sind wir ehrlich: Die besten Treffen sind in dem Fall die, die nicht vorher angekündigt wurden. Stellt euch mal vor, ihr hättet zu dessen Lebzeiten bei eurem Instrumentenhändler an der Kasse gestanden, und Lemmy Kilmister wäre hineinspaziert, um für seinen Rickenbacker neue Picks zu kaufen.

Foto: fotolia.com © franz12 Musikgeschäft-Angestellte wissen meistens viel mehr als man es als Hobbymusiker tut. Ihr Wissen gibt’s dort oft zum Nulltarif vermittelt.

4. Ausgelernt hat man nie, selbst wenn man ein Instrument wirklich schon sehr lange spielt. Diese Tatsache geht sogar so weit, dass nicht wenige Profimusiker behaupten, dass derjenige, der etwas Anderes sagt, sich in Sachen Können schon auf dem absteigenden Ast befände.

Hier kommt eine gewichtige Tatsache in den Raum: Musikgeschäfte, egal welche Größe, werden entweder von ausgesprochenen Profis betrieben oder aber sind so groß, dass sie für die unterschiedlichsten Abteilungen solche als Verkäufer und Berater beschäftigen. Oder glaubt ihr etwa, dass die ganzen Musikschul-Absolventen von Studiobands und ähnlichen anonymen Combos aufgesogen werden? Dass die, die die harte Schule des Musikinstrumentenbaus absolviert haben, sich alle selbstständig machen? Nichts da, oft genug werden die ob ihres Könnens zum heißgeliebten Experten, dessen Rat ihr euch im Musikladen kostenlos holen könnt. Nicht nur, was das rein Musikalische anbelangt, wie man dieses und jenes greift, schlägt oder zupft. Nein, vielleicht auch mal das, was Autofans mit „Benzingespräch“ treffend bezeichnen: Mal quatschen über das Hobby Musik, mit Leuten, die wahrscheinlich mehr Erfahrung haben als man selbst.

5. Musikläden haben das Ikea-Flair. Was das ist? Ganz einfach: Wenn wir online kaufen, dann tendieren wir dazu, nur das zu kaufen, was wir wirklich benötigen. Ein wenig Preisvergleich, dann alles in den Warenkorb, Adresse und Zahlungsvariante eingegeben und fertig ist der Einkauf, so nüchtern und wenig emotional wie eine Untersuchung beim Arzt. Das Ikea-Flair ist indes das, was viele von euch (vielleicht schon dank der Holden) erlebten, wenn sie durch die unendlich wirkenden Gänge des schwedischen Möbelhändlers schlenderten. Man kauft nie nur das, weshalb man eigentlich in den Laden gekommen ist. Falls man doch diese übermenschliche Selbstdisziplin aufbringen kann, dann schießt man doch zumindest nicht pfeilgerade zum Regal, sondern bummelt etwas, schaut und probiert aus.

Kein anderes Geschäft kommt diesem Flair so nahe wie Musikläden, abermals vollkommen ungeachtet der Größe. Geht man wirklich nur dort hinein, um seine Saiten zu kaufen? Sicher nicht. Man checkt die Gebrauchtinstrumente (noch etwas, was man selten online bekommt), blättert in Notenheften, probiert vielleicht einmal Sachen aus, die man noch nie gespielt hat oder kommt mit wildfremden Musikern ins Gespräch, die ebenso in Ruhe bummeln. Man kann herrlich sorglose Stunden damit verbringen, einfach nur die schönen Seiten des Einkaufens zu erleben. Dass man da ein paar Euros mehr ausgibt, als eigentlich geplant, wird zur Nebensache.

Support your local Dealer, lautet die Devise und das Fazit dieses Artikels. Denn auch wenn man bei den Instrumenten heute problemlos und bequem alles online kaufen kann, gibt es doch ein paar Dinge, die sich nur erleben lassen, wenn man ins Geschäft fährt. Ein Live-Konzert klingt schließlich auch wesentlich emotionaler als die ausgefeilteste Aufnahme auf der besten Anlage zuhause.