11.05.2020 | Crossover Fitness rocks: Warum und wie ihr als Hobbymusiker sportlich sein solltet

Gerade Rockmusik ist ein ganzkörperbetonter Kraftakt. Wenn ihr selbst als Musiker auf der Bühne steht oder es künftig tun wollt, spielt deshalb auch Fitness eine wichtige Rolle.

Foto: Stock.adobe.com © kondrukhov Auf der Bühne zu rocken, bedeutet mehr, als nur Instrumente und Setlist gut zu beherrschen. Es ist ein oft ein hartes Sportprogramm.

Es dürfte nur wenige ROCK ANTENNE Hörer geben, die noch nie den „Boss“ Bruce Springsteen auf der Bühne gesehen haben – entweder live dabei oder zumindest in Videoaufnahmen wie etwa von seinem berühmten Konzert im Londoner Hyde Park. Was dabei unvermeidlich ins Auge sticht: Nicht nur sind seine Hemden bereits nach den ersten Songs triefnass, auch seine Gitarren bekommen ihren Teil ab – dem Vernehmen nach hat deshalb Phil Petillo, Besitzer des Shops, in dem Springsteen einst seine berühmte Markenzeichen-Telecaster erwarb, das Instrument durch großzügigen Einsatz von Titan, Edelstahl und einer Menge Silikon wasserdicht gemacht. „You could play [it] underwater“, sagte er 1984 in einem Interview.

Nun ist der Boss zwar ein gnadenlos guter Rockmusiker, aber kein extrem körperbetonter auf der Bühne tobender Künstler – da verausgaben sich andere Kollegen deutlich mehr.

Doch wenn schon er so stark zeigt, wie körperlich Rock sein kann, sollte das auch jedem Hobbymusiker unter euch zu denken geben. Denn so wichtig es ist, vornehmlich seine Instrumente zu beherrschen, so wenig sollte dabei der Rest des eigenen Bodys zu kurz kommen. Für diesen Artikel haben wir euch deshalb ein rockendes Rundum-Workout zusammengestellt, damit ihr auch bei der allerletzten Zugabe so lospowern könnt wie zu Konzertbeginn.

Warum ihr auch als Hobbymusiker fit sein solltet

Für viele wird Rockmusik, auch in selbstgemachter Form, vor allem ein Hobby sein. Ausdrucksmöglichkeit, Grund, sich an Wochenenden und Feierabenden mit Freunden im Proberaum zu treffen und eine gute Zeit zu haben.

Wenn ihr Musik wirklich nur so betreibt, muss tatsächlich keine höhere körperliche Fitness dazugehören. Im Gegenteil, schon dadurch, dass ihr dabei zusammen etwas abrockt, bekommt ihr mitunter bereits ein gutes Bewegungspensum als Ausgleich vom (Berufs-)Alltag, der inzwischen häufig wenig von körperlicher Aktivität geprägt ist.

An dieser Stelle kommt jedoch ein großes Aber: Wenn ihr auch nur Ambitionen hegt, geschweige denn konkret plant, eure Musik regelmäßig vor Publikum zu spielen, solltet ihr euch nicht nur Gedanken um eure Kraft und Kondition machen, sondern handfest daran arbeiten. Dafür gibt es gute Gründe:

Foto: Stock.adobe.com © Nytoprod Auf der Bühne fließt der Schweiß oft in Strömen – und das liegt nicht nur an den heißen Scheinwerfern.
  • Rock ist in den meisten Ausprägungen keine Musikrichtung, bei der man stillsteht. Das haben vielleicht die frühen Beatles im Fernsehen gemacht, aber wer heute rocken will, sollte und will das auch mit seiner Performance rüberbringen. Denkt nur an Rammstein-Frontmann Till Lindemann. Der singt nicht, der rockt mit jeder einzelnen Körperfaser.
  • Große Bands haben Roadies oder ganze Crews, die ihnen das Equipment transportieren und aufbauen. Ihr hingegen als Hobbymusiker müsst höchstwahrscheinlich Verstärker und Co. selbst ins Auto verfrachten, vor Ort ausladen und hinterher wieder abbauen. Das geht richtig in die Muskeln. Zudem verschlingt der Aufbau bei einem untrainierten Körper eine gehörige Portion Energie – die ihm hinterher auf der Bühne fehlt.
  • Bei einem guten Bühnenprogramm könnt ihr nicht nach drei Songs eine Erholungspause einlegen. Im Gegenteil, vor Publikum müsst ihr in der Lage sein, ein, zwei, vielleicht sogar drei Stunden ohne große Pausen durchzuhalten. Das gelingt euch mit einem trainierten Körper deutlich besser, weil ihr solche Anstrengungen dann eher gewohnt seid.
  • Wenn ihr Instrumente tragt und spielt, belasten diese immer nur einige Muskelpartien – denkt an eine E-Gitarre, deren ganzes Gewicht über den Gurt auf Schultern und Nacken lastet. Gleichsam bedeutet auch das Spiel, nur einige Muskelgruppen immer wieder zu belasten – Drummer ausgenommen. 
  • Rockmusik ist zwar fürs Ohr, aber ein (halbwegs) trainierter Körper hat eben auch ganz simple optische Vorteile. Soll heißen, ihr seht als fitte Band für die Zuschauer einfach besser aus.

Stellt euch vor, wie es wirken würde, wenn ihr mangels Fitness mitten im Konzert einen Krampf bekämt, die Gitarrenfinger erlahmen oder ganz einfach plötzlich euer Akku leer wäre. Beim letzten Song konntet ihr noch rockend über die Bühne springen, beim nächsten müsst ihr stillstehen, weil die Beine zittern, die Seiten stechen – und der Gesang klingt nur noch halb so gut, weil ihr regelrecht nach Luft hechelt. Dies macht nicht nur für die Zuschauer einen schlechten Eindruck.

Zudem sollte nicht vergessen werden:

Was im Proberaum gut funktioniert, lässt sich nicht immer mit der Bühne vergleichen. Auf letzterer bewegt man sich automatisch mehr und intensiver, weil das Spielen vor Publikum anfeuert und hochpusht.

Die richtige Ernährung 

Foto: Stock.adobe.com © Jacob Lund Rock Food bedeutet nicht, nur Obst und Gemüse essen zu dürfen. Wie bei jedem Sportler muss die Ernährung gezielt und hochwertig sein.

Der ziemlich ungesunde Lebenswandel einiger echten Größen des Rock ist längst Musik-Folklore – Hand hoch, wer noch nie Zigaretten, Alkohol oder ungesundes Essen genossen hat, indem er auf Keith Richards, Lemmy, Ozzy Osbourne und Co. verwies. Wenn die trotzdem immer eine gute Show ablieferten und abliefern, warum sollte man es selbst dann anders machen?

Wenn ihr so denkt, sitzt ihr leider einem Denkfehler auf: Diese Musiker und alle anderen, die ebenfalls ihren auszehrenden Lebenswandel stolz vor sich hertragen, sind nicht deswegen, sondern trotzdem gute Musiker. Hört auf das, was Lemmy zu Lebzeiten in einem Interview sagte:

Ich möchte nicht, dass sich irgendwelche Kids zu Tode saufen wegen mir. Nur weil ich nach 35 Jahren Motörhead ständig trinken kann, glauben sie vielleicht, sie könnten das auch.“

Das soll vor allem heißen, dass eure Rock-Fitness mit der Ernährung beginnen sollte. Zunächst: Haltet generell den Alkoholkonsum niedrig, nicht nur bei Konzerten. Denn Alkohol im Übermaß schwemmt Nährstoffe aus eurem Körper, weil er so stark entwässert. Damit macht er jeglichen Trainingsaufwand weniger effektiv. 

Zudem solltet ihr eure Ernährung generell so gestalten, dass sie euer Training bestmöglich unterstützt. Das bedeutet vornehmlich, dass ihr euch tiefer in die Zusammenhänge zwischen Nährstoffen, Muskelaufbau und Leistungsfähigkeit einlesen solltet. Wenn ihr Eisen stemmen wollt, um der harten Musik auch einen harten Körper hinzuzugesellen, solltet ihr nicht nur auf Proteine setzen, sondern auch Kohlehydrate – hierzu gibt es umfangreiche Erkenntnisse, die viele bislang gültige Ansichten etwas ankratzen. 

So etwa helfen die Kohlehydrate bei intensiven Muskelkontraktionen und fördern nach dem Training die Regeneration; sie machen euch also schneller (wieder) fit.

Ganz speziell vor Auftritten solltet ihr euch zudem so bewusst ernähren, dass eure Energiespeicher aufgeladen werden. Dazu gehören abermals Kohlehydrate, zudem auch Eiweiß. Zudem gilt:

Ein abendfüllendes Rockkonzert unterscheidet sich in Sachen Körperleistung nicht von einer ähnlich anstrengenden und langen Einheit Ausdauersport.

Zwar müsst ihr euch dabei vorwiegend auf Instrumente und Gesang fokussieren und die körperliche Anstrengung erfolgt nebenher. Entsprechend muss euer Körper allerdings in der Lage sein, solche Höchstleistungen routiniert abzuliefern, ohne dass ihr euch großartig mental darauf fokussieren könnt.

Training der spezifischen Muskulatur

Foto: Stock.adobe.com © Valmedia Jedes Instrument belastet bestimmte Körpergruppen besonders. Die entsprechenden Muskelpartien solltet ihr zuerst durchs Training kräftigen.

Doyle Wolfgang von Frankenstein, bekannt vor allem als Gitarrist der Misfits, ist vielleicht das beste Beispiel dafür, wie gut ein durchtrainierter Körper mit ebenso ausgefeilter Rockmusik funktionieren kann. Der Mann konnte lange Jahre in Sachen Sixpack, Bizeps und Co. einem jungen Stallone der frühen 80er locker das Wasser reichen. Selbst heute sieht er noch blendend aus – dabei ist er schon 55! 

 
Was jedoch viele verkennen: Doyle trainiert seit circa 40 Jahren.
Auch wenn ihr euch andere Rockmusiker mit ähnlich prominenten Muskelbodys anschaut, haben diese lange Jahre im Fitnessstudio verbracht. Das gilt auch für Jennifer Weist, Frontfrau von Jennifer Rostock, die als eine der größten Sportskanonen der Rockmusik überhaupt gilt. Sie versteckt unter ihren flächendeckenden Tattoos einen drahtigen, bestens trainierten Körper und geht auch auf ihrem Facebook-Channel immer wieder aufs Thema Sport ein.

Für euch wäre es hingegen nicht zielführend, eure musikalische Fitness zu beginnen, indem ihr einfach im nächsten Fitnessstudio voll auf die Körpermasse-Schiene setzt. Viel wichtiger ist zunächst, dass ihr jene Körpergruppen kräftigt, die ihr durch euer Instrument und eure Position und Haltung beim Spiel am stärksten beansprucht:

  • Als Gitarristen und Bassisten solltet ihr vornehmlich die Schultern- und Nackenpartie stärken. Dazu auch Rückenübungen absolvieren.
  • Als Sänger sollten eure Schultern und Arme im Fokus liegen. Vor allem, wenn ihr das Mikro in den Händen tragt und nicht vor dem Ständer singt. Zudem solltet ihr auch ein Po-und-Beine-Programm durchziehen.
  • Als Drummer solltet ihr weniger auf Muskelkraft trainieren wie deren maximale Ausdauer. Die Drums sind meist die mit weitem Abstand körperbetonteste Aufgabe einer Band überhaupt. Denkt aber auch an euer Hinterteil – erst recht, wenn ihr umfangreich Fußmaschinen bedient, spürt ihr selbst den bequemsten Hocker sonst schnell und unangenehm. Soll heißen, benutzt solche Fitness-Geräte und Studio-Kurse, bei denen dieser riesige Muskel ordentlich trainiert wird.

Generell solltet ihr dabei alle Gewichtstrainings mit niedrigen bis mittleren Gewichten, dafür häufigeren Wiederholungen betreiben. Stellt dazu eure Instrumente auf die Waage und stellt die Maschinen entsprechend ein. Steigert euch nicht zu schnell bei den Gewichten, sondern eher bei der Anzahl der Wiederholungen.

Was die Intensität anbelangt, solltet ihr vor allem in den ersten Monaten nicht übertreiben. Besonders dann nicht, wenn ihr zunächst noch unsportlich seid. 

Zwischen jedem Training sollte mindestens ein Tag Ruhepause liegen, gerne auch mehr. Ihr werdet unweigerlich von Muskelkater heimgesucht werden. Nutzt die Pause, um den durch Wärme, Massagen und leichte Bewegung zu kurieren. Ganz wichtig:

Wechselt euer Training ab. Auf eine Fitnessstudio-Session der Muskeln sollte beim nächsten Mal ein Fokus auf Ausdauer und umgekehrt erfolgen.

Der Grund: Auf diese Weise werden alle Bereiche gleichmäßig gekräftigt, aber es kommt keiner zu kurz. Vergesst zudem nie, dass mehr Muskeln auch bedeuten, dass ihr einen höheren Energieumsatz habt. Ausdefinierte, dicke Muskelpakete mögen zwar auf eure Fans ganz hervorragend wirken, aber sie benötigen eine noch gezieltere Ernährung vor, während und nach dem Konzert.

Die Ausdauer verbessern

Im vorherigen Kapitel wurde es bereits kurz angesprochen: Vor allem müsst ihr das ganze Thema Musik und Fitness als Ausdauersportart ansehen. Dass dazu die wichtigsten beanspruchten Muskelpartien trainiert werden, ist bedeutsam, aber es ist nicht zentral.

Die größere, langwierigere Daueraufgabe ist es, dass ihr alle – nicht nur euer Drummer – einen hohen Fokus auf eine gute Kondition legt. Die dazu möglichen Sportarten reichen vom Schwimmen übers Walken und Joggen bis zum Fahrradfahren. Euer Körper, vor allem aber euer kardiovaskuläres System, also Herz und Co., müssen daran gewöhnt werden, über Stunden sportliche Höchstleistungen zu erbringen.

Die Vorteile:

  • Die Atmung wird verbessert. Pro Atemvorgang gelangt mehr Sauerstoff ins Blut.
  • Die Durchblutung wird verbessert. Dadurch wird euer ganzer Körper grundsätzlich besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Auch, aber nicht nur auf der Bühne.
  • Euer Herz, ein weiterer Muskel, wird trainiert. Dadurch kann euer Puls mit hohen Belastungen, wie sie beim Konzert vorkommen, deutlich besser umgehen. Unter anderem deshalb, weil auch bei hoher Belastung der Blutdruck nicht so steigt wie bei Untrainierten.
  • Das Gehirn bekommt auch unter hoher Belastung noch mehr als genügend Blut und somit Sauerstoff. Das kommt eurer Konzentrationsfähigkeit und damit der Musik direkt zugute.

Dass damit auch so „nebensächliche“ Vorteile wie reduzierte Herzinfarktrisiken und ein verbesserter Cholesterinspiegel einhergehen, kommt natürlich noch hinzu. 

Foto: Stock.adobe.com © .shock Wenn ihr als Band rockt, könnt ihr auch gemeinsam als Band trainieren. Besonders die Ausdauer, bei der der innere Schweinehund besonders stark sein kann.

Trainiert gemeinsam

Die meisten Bands proben ihr Repertoire zum größten Teil gemeinsam. Das gilt auch, wenn einzelne Mitglieder ihren Part vielleicht noch im Privaten für sich üben. Nicht zuletzt, um den bekannten Gruppenzwang in positiver Weise zur Motivation zu nutzen, solltet ihr euch überlegen, ob ihr nicht auch den Sport gemeinsam als Band angehen möchtet.

Spätestens beim Ausdauertraining macht ihr sowieso alle das Gleiche. Da wäre es, sofern es eure unterschiedlichen Tagesabläufe erlauben, sinnvoll, gemeinsam zu agieren. Netter Nebeneffekt: Ihr seht euch nicht nur zum proben und Musik machen. Das kann durchaus das Risiko für Bandkrisen reduzieren, selbst wenn ihr euch dadurch mehr und häufiger seht – auch das wird man auf der Bühne höchstwahrscheinlich positiv bemerken.

Rockt beim Training ab

Wir kommen zu einem finalen Punkt, der vielleicht nicht so offensichtlich ist, wie es scheint, dem Thema Musik. Es steht völlig außer Frage, dass sie ein ganz enormer Motivator sein kann – denn Musik ist in der Lage, unsere Emotionen in alle möglichen Richtungen zu lenken.

Unter dieser Prämisse sei euch dringend geraten, Musik auch während eurer Workouts zum zentralen Teil zu machen. Das kann ganz einfach funktionieren, indem ihr die ROCK ANTENNE App auf euren Handys installiert und unser Programm beim Trainieren streamt.

Wenn ihr ganz gezielt nur Motivations-Rock hören wollt, hätten wir da eine kleine Tracklist für euch vorbereitet:

Empfehlenswert sind zudem Soundtracks klassischer 80s-Action- und Sportfilme. Nicht nur die Trainingsszenen bei Rocky waren damals mit powernder Rockmusik hinterlegt, die auch heute noch bestens motiviert.

Fazit

Rock ist nicht nur Musik. Rock, zumindest wenn ihr ihn vor Publikum gut rüberbringen wollt, ist auch ein absolut fordernder Ausdauersport. Dieser Herausforderung solltet ihr körperlich gewachsen sein. Die klassische Rock-Aussage It’s a long way to the Top if you wanna rock and roll bezieht sich also nicht nur auf instrumentale Fähigkeiten und das Musikbusiness. In diesem Sinne: Viel Spaß  beim Trainieren und rockt die Bühne!