18.11.2020 | Lifestyle Neuwagen: Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Neuwagen kosten leicht einige zehntausend Euro. Da ist es für alle, die sich auf Jahre an ein Auto binden werden, sehr sinnvoll, vorher in Theorie und Praxis ausführlich zu testen.

Foto: Unsplash.com © Rahul Bhogal Von Audi über BMW bis VW sind jederzeit zig Neuwagenmodelle auf den Markt. Wer da kaufen will, sollte zuvor gut prüfen und testen.

Wohl niemand möchte sich gern verkaufen. Also feststellen, dass das Produkt doch nicht so gut zu ihm passt, wie gedacht. Doch wo das bei vielen günstigen Waren kein Problem ist, rasch aufgedeckt wird und sich meist blitzschnell beheben lässt, steigt das Risiko mit Preis und vor allem Komplexität.

Am oberen Ende der Skala finden sich Neufahrzeuge. Bis ein Käufer sein Auto wirklich vollumfänglich im Alltag kennt, alle Funktionen benutzt hat und ernsthaft abschätzen kann, ob er mit seiner Wahl richtig lag, vergehen schnell Monate und tausende wertmindernde Kilometer. Dann bleibt nur noch die Wahl, sich zu arrangieren oder den herben Wertverlust zu schlucken und zu verkaufen.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, demnächst ein Neufahrzeug zu kaufen, sollte deshalb zuvor alle möglichen Hebel ziehen, um einen solchen Fehlkauf zu vermeiden. Dazu gibt es mehrere Schritte.

1. Unbedingt warten

Die wichtigste Grundregel des Neuwagenkaufs zuerst: Niemals ein Fahrzeug kaufen, das gerade erst auf den Markt gekommen ist. So prestigeträchtig das auch sein mag, es hat zwei große Nachteile:

  • So hart die Hersteller ihre Vorserienmodelle im Eis Nordschwedens testen oder durch Wüsten steuern, so sehr ist es doch eine Tatsache, dass die zunehmende automobile Komplexität immer häufiger dazu führt, dass neu vorgestellte Autos unter gewissen „Kinderkrankheiten“ leiden.
  • Je neuer ein Fahrzeugmodell ist, desto weniger funktionieren praktisch alle Prüfungen, die wir in diesem Text auflisten.

Im Klartext: Ein Automodell sollte mindestens ein halbes, besser ein ganzes Jahr auf dem Markt sein, bevor es zum potenziellen Neuerwerb wird. Erst dann stehen auch ausreichende Erfahrungswerte zur Verfügung.

Foto: Unsplash.com © chuttersnap

2. Die wirklich grundlegende Recherche

Dass jeder angehende Neuwagenbesitzer zuvor die obligatorischen Tests in der Riege der etablierten Automagazine konsultieren sollte, gehört hoffentlich zum Allgemeinwissen des Fahrzeugkaufs. Eine Bringschuld, die wirklich jeder sich selbst gegenüber leisten sollte, da nur sie einen ersten Blick hinter die natürlich immer positiven Werbeversprechen der Hersteller erlaubt.

Aber: So gut diese Tests und Berichte auch sind, sie müssen notwendigerweise für ein breites Publikum konzipiert sein. Nur was, wenn der angehende Autokäufer damit nur teilweise angesprochen wird? Wenn er im Familienvan drei statt der im Test angenommenen zwei Kinder transportiert? Wenn er größer, kleiner, schmäler oder breiter als der Durchschnittsmensch ist? Hier gibt es zahllose Variablen, welche die Ergebnisse immer weniger auf den Einzelnen umlegbar machen.

Immer sollte die Recherche deshalb in Foren, Facebook-Gruppen und an ähnliche Orte führen, in denen sich Besitzer dieses Automodells zusammenfinden. Einzeln haben deren Meinungen zwar nur wenig Aussagekraft, aber in der Breite können sie ein sehr gutes und übersichtliches Bild liefern.

Und: Niemals sollte nur ein Auto recherchiert werden. Drei von unterschiedlichen Herstellern sollten es mindestens sein. Im weiteren Verlauf wird sich die Auswahl sowieso einengen.

3. Netz-Konfiguratoren nutzen

Autoverkäufer sind sehr trickreiche Personen. Denn natürlich möchten sie möglichst viele Fahrzeuge an den Mann und die Frau bringen – schließlich gibt es ja eine verkaufspreisabhängige Provision.

Das heißt, wer nach seiner Recherche einfach in mehrere Autohäuser geht und sich auf Gespräche einlässt, muss höchstwahrscheinlich damit rechnen, dass ein Verkaufsprofi ihn mit so vielen Informationen, Daten und vor allem Zahlen überlädt, dass er hinterher doch keine richtige Ahnung darüber hat, was das Auto wirklich kosten wird – und welche womöglich verzichtbaren Ausstattungsdetails dazu beitragen.

Hier die geruhsamere und viel flexiblere Methode: Wirklich jeder Autohersteller hat auf seinen Seiten die Möglichkeit, Autos zu konfigurieren, Ausstattungspakete an- und abzuwählen, Farben, Stoffe und mehr zu vergleichen. Natürlich, der Preis am Ende wird wahrscheinlich höher als das sein was der Autohändler in rabattierter Form einräumt. Aber es gibt wenigstens einen grundlegenden Überblick, ohne dass der Verkäufer dauernd neue Informationen einwirft. 

Foto: Unsplash.com © why kei

4. Fahren, Fahren, Fahren

Magazinartikel, Foreneinträge, digital zusammengestellte Autos sind eins. Aber wirklich herausfinden, ob ein Auto passt, lässt sich nur in der Praxis. Doch das führt zu einem weiteren Problem: Wie sieht die typische Probefahrt eines Wagens beim Autohaus aus?

  • Die Dauer beträgt bestenfalls eine Stunde.
  • Der Verkäufer ist mit höchster Wahrscheinlichkeit dabei und erzeugt so bei den meisten erhebliche Hemmungen, das Auto natürlich zu fahren – oder vielleicht auch an den Extrembereich heranzugehen.
  • Es handelt sich meist einfach nur um eine ziellose Bummelfahrt. Weder werden Getränkekisten in den Kofferraum geladen, noch müssen die straffen Sitze ihre Bequemlichkeit auch auf langen Urlaubsstrecken unter Beweis stellen.

Tatsächlich hat die Probefahrt beim Händler nur an einer Stelle Sinn: Dann, wenn man mit der ganzen Familie schaut, ob alle grundsätzlich bequem sitzen, ob der Kinderwagen oder Buggy passt.

Vor allem angesichts der Preise und der vielen Jahre, die ein Neuwagen bei einem bleiben wird, empfiehlt sich hier eine Option, die erst seit kurzem in Deutschland existiert, das sogenannte Auto-Abo. Letztendlich handelt es sich dabei um den Schluss der Lücke zwischen normalem Mietwagen und Leasing – ersterer ist schon nach wenigen Tagen ausnehmend teuer, letzteres auf mindestens Jahre ausgelegt. Somit ist normales Mieten für ein echtes Testen oder langfristige Zwecke zu kurz und teuer und Leasing viel zu lang und ebenfalls teuer.

Auto-Abos liegen genau in der Mitte. Der Vorgang selbst lässt sich mit der normalen Miete vergleichen, ist aber auf Zeiträume zwischen etwa sechs Monaten und einem Jahr begrenzt. Zudem haben die Anbieter zahllose Modelle verschiedener Hersteller im Repertoire. Der Überblick der Autos bei Cluno zeigt, dass es über 70 Einzelmodelle zwischen BMW und Volvo sind – zu Preisen zwischen rund 250 Euro monatlich für einen kleinen Opel Adam bis etwa 750 Euro für einen BMW X3.

Der große Vorteil für angehende Autokäufer? Das Auto-Abo bietet zu fairen Preisen, die weit unter den Kosten normaler Mietfahrzeuge liegen, ein Auto, bei dem Versicherung, Steuer und Co. bereits wie bei einem Mietwagen eingepreist sind. Ein halbes Jahr oder länger lässt sich so ein Modell uneingeschränkt im Alltag nutzen. So gibt es einerseits die Möglichkeit, ohne die hohen Anschaffungskosten stets einen topaktuellen Wagen zu fahren. Für Fans des Neuwagen-Geruchs optimal.

Alternativ kann man so ein Auto wirklich auf Herz und Nieren testen, bevor man sich eventuell überzeugt und einen Kauf entscheidet. Und wenn sich herausstellt, dass es dieses Modell doch nicht ist, kann das Auto-Abo am Ende auch gleich auf den nächsten „Testwagen“ umgestellt werden.