13.08.2021 | Lifestyle Don't stop me now: Wenn eine Party zum Streitfall führt

It's partytime! Gerade in Mietwohnungen gehören Partys zu den häufigsten Streitfaktoren zwischen Nachbarn. Aber darf euer Nachbar einfach so sein Veto einlegen oder gelten nicht klare Regeln, in deren Rahmen eine Party erlaubt ist? Dieser Artikel schaut sich das einmal an.

Foto: @ Hardini Lestari / Unsplash.com Party mit lauter Musik bei zu Hause? Hier solltet ihr einiges beachten.

Eine Party in der Mietwohnung oder in den eigenen vier Wänden ist nichts Unübliches. Ob Geburtstag, zu einer Sportveranstaltung oder auch nur zwischendurch, spätestens dann, wenn die Temperaturen ansteigen, ist die Feierlaune spürbar. Aber was dem einen Freud ist, ist dem anderen gern ein Ärgernis. Feierlichkeiten in Wohnräumen gehören zu den häufigsten Streitfaktoren zwischen Nachbarn - und haben auch schon so manchen Rockstar in den Nachbarschafts-Krieg getrieben. Aber darf euer Nachbar einfach so sein Veto einlegen oder gelten nicht klare Regeln, in deren Rahmen eine Party erlaubt ist? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Wie laut darf es sein?

Grundsätzlich unterliegt jeder Mensch, ob Mieter oder Eigentümer, der Pflicht, Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen. So gilt ganz klar, dass niemand in seiner Wohnung so laut sein darf, dass sich andere davon belästigt fühlen. Zusätzlich gibt es Regelungen:

  • Hausordnung - sie gibt den allgemeinen Rahmen vor. Im Regelfall enthält sie die sogenannten Ruhezeiten, also Zeitspannen, an denen die Ruhe besonders einzuhalten ist. Das klassische Beispiel ist zwischen 22 Uhr und 6/7 Uhr morgens.
  • Immissionsschutzgesetz - auch die Gesetze der Länder enthalten diese Ruhezeitregeln.
  • Grundsatz - während der klassischen Ruhezeiten dürfen Musik, Spiele oder auch Musikinstrumente nur in Zimmerlautstärke genutzt werden.

Für Lärm von Partys gibt es keine klare Dezibelrichtlinie. Und was jemand als Lärm empfindet, kann wieder unterschiedlich sein. Die schwerhörige Mieterin in der Wohnung rechts wird andere Maßstäbe setzen als der hellhörige Mieter in der Wohnung links.

Partylärm wird vom Gesetz her verboten, doch ist das Feiern in den Wohnungen erlaubt. Die Maßgabe ist hier, dass bis zum Beginn der Ruhezeiten die Lärmbelästigung deutlich stärker sein darf, als während der Ruhezeiten. Nächtliches Feiern mit Krach und lauter Musik ist hingegen (fast) immer verboten. Allerdings kommt es auf den Einzelfall, das Haus und den Vermieter an:

  • Sonderfälle – Silvester zählt als klassischer Sonderfall. Die Ruhezeiten werden hier praktisch aufgehoben, obwohl sie rechtlich weiterhin bestehen bleiben. Ähnliche Szenarien sind Volksfeste, Karneval oder auch das Public Viewing. Steht das Wohnhaus in unmittelbarer Nähe zur Örtlich- oder Festlichkeit, so darf das Tor auch nach 22 Uhr drinnen lautstark bejubelt werden, da der Lärm in der Masse untergeht. Aber: Diese Regelung gilt ausschließlich in der unmittelbaren Nähe zur Örtlichkeit und ausschließlich, wenn von der Stadt die Ruhezeiten kurzzeitig außer Kraft gesetzt wurden. Hier solltet ihr euch also vorher genau informieren.
  • Hausgemeinschaft – wie liberal ist die Hausgemeinschaft? Ist es im Haus üblich, dass hin und wieder gefeiert wird und gibt es eine ungeschriebene Regelung, dass die Lautstärke beispielsweise bis Mitternacht höher sein kann, dann ist der Partylärm akzeptiert. Aber: Auf die Party müsst ihr rechtzeitig für die gesamte Hausgemeinschaft ersichtlich hinweisen. Im Regelfall gilt der Zusatz, dass nur freitags und samstags hin und wieder gefeiert wird.
  • Vermieter – welche Ansprüche stellt er allgemein? Setzt er die Ruhezeiten strikt ab 22 Uhr um und weist darauf deutlich im Mietvertrag hin, ist mindestens Rücksprache zu halten. Auch kann er klare Regeln für die nicht zur Wohnung gehörenden Bereiche aufstellen.
  • Bausubstanz – völlig unabhängig von einer Party ist die Zimmerlautstärke nicht in allen Wohnungen gleich. Es gibt keine klare Regel, also beispielsweise 60 Dezibel (das Beispiel für Zimmerlautstärke). Je nachdem, wie hellhörig ein Wohnhaus ist, können 80 Dezibel durchaus zu keiner Belästigung führen oder aber sich sechzig Dezibel rasend laut anhören. Die Grundlage ist immer, dass möglichst wenig Lautstärke zu den Nachbarn durchdringt.

Wenn es zum Rechtsstreit kommt

Rechtsstreitigkeiten aufgrund von Feiern in Privatwohnungen sind gar nicht selten. Es reicht schon ein überempfindlicher Nachbar, damit die Feierlichkeit ein böses Ende nimmt und der Gastgeber später ein unschönes Erwachen hat. Daher solltet ihr euch als Mieter niemals an die Erfahrungen anderer heften, sondern euch eigenständig absichern. Der größte Fehler ist, zu denken, dass es beim Freund letztens viel lauter war. Das mag gut möglich sein, doch ohne die bauliche Substanz der Wohnung und dessen Nachbarn zu kennen, ist es unmöglich, von dessen Erfahrungen zu zehren. Immerhin gibt es rund um Lärm etliche Streitfälle. Aber welche Schritte bestehen, wenn es um Rechtsstreit kommt?

  • Gespräch – Mieter können gekündigt werden, wenn die Lärmbelästigung wiederholt auftritt. Meist geht jedoch eine Abmahnung vorweg. Allgemein empfiehlt es sich, frühzeitig mit dem Vermieter zu sprechen.
  • Mieterschutzvereine – sie helfen euch als Mieter im Regelfall bei Rechtsstreitigkeiten mit dem Vermieter oder auch gegenüber Nachbarn.
  • Fachanwalt – das ist der häufig genutzte Weg. Ein Fachanwalt für Wohnungseigentumsrecht, Mietrecht und Nachbarschaftsrecht unterstützt bei den Folgen einer Party. Um die Kosten nicht alleine zu tragen, ist die Rechtsschutzversicherung wichtig.

Rechtsschutzversicherungen, die Mietrecht und Nachbarschaftsrecht inkludieren, sind ohnehin sehr sinnvoll, da sie den Versicherten auch in anderen Streitfällen rund um die eigenen vier Wände unterstützen. Sie zahlen übrigens auch bei Scheitern vor Gericht. (Quelle: Finanzen.de)

Skurrile Rechtsentscheidungen rund um Nachbarlärm und Partys

Lauter Streit ist mitunter eine unzulässige Lärmbelästigung. So urteilte zumindest das Amtsgericht Warendorf. Dieses Urteil zum AZ: 5 C 414/97 bezieht sich aber nicht allein auf Streit, sondern schaut mit ins Schlafzimmer. Denn ›lautstarkes Sexgestöhne‹ ist eine unrechtmäßige Ruhestörung. Dies solltet ihr also auf Partys mit berücksichtigen, wenn Freunde noch mal ins Nebenzimmer huschen. Ansonsten gibt es noch:

  • Fehlschussquote - in Sachsen-Anhalt darf auf einem Bolzplatz auf dem Nachbargrundstück nur noch eine Fehlschussquote eingehalten werden. Das Gericht (AZ: 12 U 184/14) entschied, dass der Ball nur noch einmal wöchentlich über den Zaun fliegen darf und damit Lärm verursacht.
  • Klingeling - gegen Kirchenglocken wurde schon in Düsseldorf geklagt, Klagegrund: Körperverletzung. Das Verwaltungsgericht wies die Klage ab. Anders klingelte es in Oberbayern, wo sich ein Zugezogener von den örtlich ansässigen Kühen samt Kuhglocken gestört fühlte. In der ersten Instanz vor dem Landgericht München II wurde die Klage abgewiesen, in der zweiten Instanz auch. Zwischendurch hat die Ehefrau des Klägers der Kuhglocke einen aufgesetzt und ist ebenfalls vor Gericht gezogen - allerdings ohne Erfolg. Je nach Nachbar sollten Katzenbesitzer also doppelt überlegen, ob das Kätzchen ein Glöckchen um den Hals trägt.

Einen Urteilsspruch wollte jedoch noch kein Richter sprechen: Laubbläser fallen außerhalb der Ruhezeiten leider weiterhin nicht unter die unzulässige Ruhestörung. 

Foto: @ Christian Stahl / Unsplash.com Wird es zu laut, können eure Nachbarn schnell ungehalten werden.

Fazit – besser Rücksicht nehmen

Im Regelfall passiert nichts, wenn es einmal laut wird. Mit einem Stück Kuchen oder einem kühlen Bier lässt sich die Nachbarschaft oft schon wieder beruhigen und wenn ihr bei einer Grillparty an die Nachbarn denkt, habt ihr meist Glück. Nicht aber, wenn empfindliche Menschen in der Nachbarschaft wohnen. Es gibt bezüglich des Lärms klare Vorgaben und alles, was außerhalb der Wohnung zu hören ist, ist spätestens in den Ruhezeiten zu laut. Auch kann der Vermieter die Partygesellschaft auf eine übliche Größe verknappen: 50 Mann auf 25 Quadratmeter sind meist zu viel. Kommt es zum Streit, ist professionelle Hilfe gefragt. Glücklich ist der, der vorab schon eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen hat, denn Nachbarschaftsstreitigkeiten ziehen sich oft über Jahre und sind somit teuer.