02.05.2018 | Zock'n'Roll: Der ROCK ANTENNE Game-Check Zock'n'Roll: Wir haben das neue God Of War getestet

Der Action-Adventure-Erfolg aus dem Hause Sony fährt bereits mit seinem achten Ableger auf. Statt griechischen - geht es diesmal nordischen Göttern an den Kragen.

  • Ein Spartaner auf Abwegen! In der neuen Ausgabe von God of War verschlägt es Kratosin den Norden.

    Ein Spartaner auf Abwegen! In der neuen Ausgabe von God of War verschlägt es Kratosin den Norden.

    Foto: God of War
  • Statt - wie bei den vorherigen Editionen - griechischen Göttern, geht es nun den nordischen Göttern an den Kragen. 

    Statt - wie bei den vorherigen Editionen - griechischen Göttern, geht es nun den nordischen Göttern an den Kragen. 

    Foto: God of War
  • An seiner Seite - ebenfalls neu - Kratos' Sohn Atreus.

    An seiner Seite - ebenfalls neu - Kratos' Sohn Atreus.

    Foto: God of War
  • Foto: God of War
  • Die Entwickler haben das Kunststück fertig gebracht, das Spiel neu zu erfinden und sich trotzdem treu zu bleiben. 

    Die Entwickler haben das Kunststück fertig gebracht, das Spiel neu zu erfinden und sich trotzdem treu zu bleiben. 

    Foto: God of War
  • Die neuen Landschaften stechen auch grafisch beeindruckend heraus.

    Die neuen Landschaften stechen auch grafisch beeindruckend heraus.

    Foto: God of War
  • Im Großen und Ganzen ist das neue God of War ein voller Erfolg und man darf hoffen, dass Kratos noch einiges vorhat. 

    Im Großen und Ganzen ist das neue God of War ein voller Erfolg und man darf hoffen, dass Kratos noch einiges vorhat. 

    Foto: God of War

Die Videospielreihe God Of War um den wütenden Spartaner Kratos gehört ohne Zweifel zu den erfolgreichsten Spielemarken aus dem Hause Sony. Bereits 2006 ließ Publisher Sony Computer Entertainment mit dem kalifornischen Entwicklerteam SCE Santa Monica Studios den "Geist Spartas" erstmals auf die griechische Mythologie los und legte mit dem Action-Adventure den Grundstein für eine der erfolgreichsten Franchises für die Sony Playstation. 

Am 20. April erschien der neueste Teil der Action-Adventure-Reihe - exklusiv für PS 4. Wir haben das Ding angezockt:

  • Aus Alt mach Neu?

    Nachdem sich Protagonist Kratos durch die gesamte griechische Mythologie gewütet hat, um den Tod an seiner Familie zu rächen, wagte man 2016 den Neustart der Serie. Man kündigte mit God Of War, diesmal ohne Nummer, einen Reboot mit neuem Setting an: raus aus dem sonnendurchfluteten Griechenland und rein in den kalten, verschneiten Norden. 

    Passend dazu galt es nun, den nordischen Göttern einzuheizen. Außerdem ist Kratos nun nicht mehr alleine. Als treuen Begleiter hat er seinen Sohn Atreus an der Seite, der ihm im Kampf gegen Trolle und Nord-Götter tapfer zur Seite steht. Die Gaming-Gemeinschaft nahm den frischen Wind im God Of War Universum wohlwollend auf, obwohl durch den Settingwechsel und den immer schlecht gelaunten Kratos als vermeintlich liebevollen Familienvater ein gewisser Restzweifel übrig blieb. Schließlich wurde God of War am 20. April 2018 für die Playstation 4 veröffentlicht und heimste bereits Höchstwertungen bei der internationalen Presse ein. Aber war die Sorge gerechtfertigt und wird God Of War der hohen Erwartungshaltung gerecht?

  • Fragen über Fragen

    God Of War stellt den Spieler zu Beginn vor einige Fragen. Ohne lange Erklärung werden Kratos und sein Sohn Atreus vorgestellt, die abgeschieden in einer Blockhütte leben und zusammen auf die Jagd gehen. 

    Wie sich herausstellt, ist die Mutter von Atreus und Kratos Geliebte erst vor kurzem gestorben und hat dem ungleichen Paar als letzten Wunsch den Auftrag gegeben, ihre Asche auf dem naheliegenden Berg zu verstreuen. Das sich dies als gar nicht so leicht herausstellt, war wohl zu erwarten. 

    Wie die Mutter allerdings heißt, wer sie war und woran sie gestorben ist, darüber wird man zunächst im Unklaren gelassen. Ebenso wenig weiß man, wie es den Spartaner Kratos aus Griechenland in den hohen Norden verschlagen hat und warum er eine neue Familie gegründet hat. Fragen über Fragen, die Lust auf mehr machen und beim Spielen mit einer angenehmen Neugierde locken. 

  • Ein Spartaner auf Abwegen

    Die Sorge vieler Fans, ob der ungewöhnliche Kultursprung von der griechischen in die nordische Mythologie gelingt, stellt sich im Nachhinein als unbegründet heraus. Der Spartaner Kratos wirkt in der nordischen Eiswelt tatsächlich wie ein Außenseiter der nicht so recht in die Welt gehört. Dies wird allerdings früh im Spielverlauf thematisiert und aufgegriffen, sodass sich der vermeintliche Stilbruch geschickt selber inszeniert und in die Story integriert.

  • Tausche Axt gegen Klinge

    Aus spielerischer Sicht hat sich bei God Of War im Vergleich zu seinen Vorgängern einiges getan. Kämpfte man sich früher zunächst von Abschnitt zu Abschnitt und löste mal mehr oder weniger anspruchsvolle Rätsel, öffnet sich God of War im Laufe des Spiels immer mehr in Richtung einer frei erkundbaren Welt, die man mit Schnellreisepunkten immer wieder betreten kann. 

    Auch verzichten die Entwickler zum Spielbeginn auf die berühmten Chaosklingen von Kratos. Stattdessen geben sie ihm eine magische Axt an die Hand, die immer wieder zurückkommt und sowohl Gegner als auch Gegenstände einfrieren kann. Dadurch ergeben sich beim Kampf und den Rätseln komplett neue Strategien und Lösungsansätze, die einen angenehmen frischen Wind in das doch schon etwas angestaubte Gameplay der vorherigen Teile bringen. 

    Hier zeigt sich God of War wieder einmal von seiner besten Seite und besticht durch die extrem flüssige Kampfmechanik, die jeden Kampf nicht nur spielerisch zur spaßigen Tour de Force mutieren lassen, sondern auch visuell mächtig die Muskeln spielen lässt.

  • Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

    Sohnemann Atreus, den Kratos immer etwas schroff nur "Junge" nennt, erweist sich als unschätzbare Unterstützung. Egal ob er bei Rätseln hilft, im Kampf vor Gegnern warnt, sie ablenkt, in Zweikämpfe verwickelt oder mit seinem Pfeil und Bogen selber unter Beschuss nimmt, Atreus ist stets zur Stelle und wertet die Spielmechanik ungemein auf. 

    Aber auch auf inhaltlicher Ebene bringt Atreus neuen Schwung in die God Of War Reihe. War Vater Kratos zunächst als Einzelgänger bekannt, der eher schlecht als recht mit seinen Mitmenschen zurechtkam, zwingt ihm der 9-jährige Atreus väterliche Facetten auf, die man so von Kratos noch nicht gekannt hatte. 

    So sorgt die Vater-Sohn Konstellation nicht nur für den einen oder anderen Lacher, sondern die Geschichte erhält dadurch auch einen für das Franchise bis dahin ungesehenen emotionalen Tiefgang, der auch nach dem Spiel einen bleibenden Eindruck hinterlässt und eine mächtige Fallhöhe erzeugt. Hier merkt man, dass das Medium Computerspiel tatsächlich immer reifer und erwachsener wird.

  • Es ist nicht alles Gold, was glänzt

    Auch wenn God Of War viele Neuerungen mit dem Reboot der Serie gelungen integriert hat, so fallen hie und da doch ein paar Kunstschnitzer auf. So wirkt das Menü mit all seinen ausbaufähigen Charaktereigenschaften und Waffeneinstellungen etwas überfrachtet. 

    Zwar ist es schön, wenn man Kratos und seine Fähigkeiten an den eigenen individuellen Kampfstil anpassen kann, allerdings verkommt die Navigation im Menü doch etwas zur fummeligen Angelegenheit, die durchaus etwas Einarbeitungszeit erfordert. Hier wird man das Gefühl nicht los, dass all die Waffenmodifizierungen und Erweiterungen und Charakterlevel nur dafür da sind, um das Spiel künstlich komplexer und somit größer erscheinen zu lassen. 

    Zwar konnte man in God of War schon immer Fähigkeiten und Waffen weiter ausbauen, dies hielt sich aber immer sehr in Grenzen und hatte keinen Einfluss auf den Spielfluss, der im neuesten Teil doch etwas darunter zu leiden hat. 

  • Sammeln, Sammeln, Sammeln!

    God Of War nie ein Spiel, das durch besonders moderne Aspekte aufgefallen ist. Die mit dem gleichnamigen Erstling 2006 ins Leben gerufene Formel aus Hack’n’Slay wurde bis zum Neustart der Serie konsequent durchgezogen und in seiner Kernessenz auch jetzt noch weiterverfolgt. Schade ist es allerdings, wenn die Entwickler versuchen, dem Spiel neue Facetten hinzuzufügen, diese aber in ihrer Funktion konservativ bleiben und versuchen, dem vorherrschenden Zeitgeist zu sehr gerecht zu werden. 

    Dies macht sich besonders beim neuen Sammelwahn bemerkbar. Es fängt an mit kleinen Spielzeugpferden, die in der gesamten Spielwelt verteilt sind und führt bis hin zu magischen Gegenständen, die beim Aufleveln helfen. An allen Ecken und Enden sieht man die leuchtend markierten Objekte der Begierde, die dem Spieler in den Sammelwahnsinn treiben und ein ständiges Gefühl der Unruhe vermitteln. So freut man sich etwa, wenn man die "Schwelende Glut" in einer Truhe nach einem harten Kampf vorfindet, nur um im selben Augenblick gesagt zu bekommen, dass noch fünf weitere Gegenstände in der Spielewelt warten. 

    Das stört leider die Immersion, da die Fundstücke weder sonderlich gut in die Geschichte eingebettet sind, noch erklärt wird, warum man unbedingt eine bestimmte Anzahl davon braucht. Das haben andere Spiele mittlerweile schon besser hinbekommen. 

  • Open World - Open Spaß?

    Hinzu kommt, dass der neue Openworld Aspekt, also die Tatsache, dass man die Welt frei bereisen kann und die Reihenfolge der Aufgaben selber festlegt, nur bedingt zum Tragen kommt. Zwar hat man im Vergleich zu den vorherigen Teilen mehr Handlungsspielraum, allerdings lässt die Spielewelt wenig bis gar keine Möglichkeit zum Experimentieren. 

    Weder mit Bäumen, Konstruktionen oder anderen Gegenständen lässt es sich in irgendeiner Weise interagieren, insofern dies nicht von den Entwicklern vorgesehen wurde. So wird God Of War hinsichtlich des Spielablaufes einem Openworld Spiel aus den frühen 2010er Jahren gerecht, schafft es aber nicht, das Genre um neue Facetten zu bereichern und in die Gegenwart zu bringen.

  • Kratos bleibt König!

    Trotz der aufgeführten Kritikpunkte ist God Of War einfach ein überragendes Blockbuster Videospiel. Die grafische und erzählerische Inszenierung setzt die Messlatte für die Konkurrenz aber auch für sich selber weit nach oben. 

    Der Reboot der Serie war zwingend nötig und man kann Sony und Santa Monica Studios nur dafür bewundern, dass sie den Mut aufgebracht haben, inhaltlich komplett neue Wege zu gehen, die alten Zöpfe hinsichtlich dem komplett abgegrasten griechischen Setting abzuschneiden und neue Charaktere und Spielmechaniken wie "Junge" Atreus einzuführen. 

    Zwar verneigt sich God Of War stellenweise ein bisschen zu sehr vor trendsetzenden Openworld Titeln und verliert dabei manchmal etwas an Eigenständigkeit, aber das sind nur minimale Kritikpunkte die trotzdem zeigen, auf was für einem verdammt hohen Niveau sich God Of War tatsächlich bewegt, obwohl es das Rad dabei nicht neu erfindet. Mit circa 35 Stunden Spielzeit, die wie im Fluge vergehen und einem denkwürdigen Augenblick, der den nächsten jagt, hat God Of War gezeigt, dass die Serie noch lange nicht zum alten Eisen gehört und Kratos noch einige Hühnchen zu rupfen hat.