15.06.2018 | Zock'n'Roll: Der ROCK ANTENNE Game-Check Zock'n'Roll: Wir testen den Sci-Fi Hit "Detroit: Become Human"

Das Sci-Fi Action-Adventure stellt nicht nur philosophische Fragen über das Menschsein, sondern gibt auch einen Ausblick in eine durchaus unbequeme Zukunft.

Entwickler David Cage gehört mit seinem Videospielstudio Quantic Dream zu den großen Visionären der Videospielszene. Mit Spielen wie Fahrenheit (2005) Heavy Rain (2010) und Beyond: Two Souls (2013) brachte der Franzose die Medien Film und Videospiel auf geniale Art und Weise zusammen und zeigte, dass auch Videospiele auf audiovisuell beeindruckende Weise eine Geschichte erzählen können, die gleichzeitig Unterhalten aber auch zum Nachdenken anregen.

Mit Quantic Dreams neuestem Werk Detroit: Become Human hat der Regisseur, wie David Cage sich selber bezeichnet, nun fünf Jahre nach dem 2013 erschienenden Beyond: Two Souls einen geistigen Nachfolger für die Playstation 4 veröffentlicht. Wie die vorherigen Spiele des französischen Studios, reiht sich auch Detroit: Become Human mit seiner Mischung aus Film und Videospiel in die spielerische Erfahrung seiner Vorgänger ein. 

Wir haben es für  euch angezockt:

  • Das Detroit der Zukunft

    Detroit: Become Human spielt in der gleichnamigen amerikanischen Stadt in einer gar nicht so weit entfernten Zukunft im Jahr 2038. Die Menschheit hat im Bereich der Robotik gewaltige Fortschritte gemacht, wodurch nun nahezu menschliche Androiden mit all ihren ethischen und wirtschaftlichen Konsequenzen Einzug in den Alltag haben. 

    Zwar erleichtern sie das Leben der Bevölkerung und werden zum Beispiel Bauarbeiter, Altenpfleger, Haushaltshilfen oder "lebendige" Fensterpuppen eingesetzt, allerdings führen sie auch zu gesellschaftlichen Spannungen. So werden sie nicht nur als Gegenstände und Sklaven behandelt die außerhalb der Gesellschaft stehen, sondern führen auch zu einer gewaltigen Arbeitslosenquote, die man an allen Ecken und Enden in Detroit zu spüren bekommt. 

    Als sich nun auch noch Vorfälle mit sogenannten Abweichlern, Androiden die ihren Funktionen nicht mehr nachkommen und sich falsch verhalten, vorkommen, heizt sich die Stimmung gegen die einst technische Offenbarung immer mehr auf. 

  • Verhängnisvolle Entscheidungen

    Bereits im ersten Kapitel wird der Spieler, wie bereits in Heavy Rain, mit der Ausrichtung seines moralischen Kompasses konfrontiert: Ihr übernehmt die Rolle von Android Connor, der als Unterhändler für die Detroiter Polizei eingesetzt wird. So wird er auch gleich als zu Beginn des Spiels in einem Fall eingeschaltet, in dem ein Familien-Android die Tochter der Familie als Geisel nimmt und den Vater tötet, weil dieser einen neues Modell bestellen wollte. Sieht man als Connor den Androiden nun als Maschine mit Fehlfunktion oder Androiden-Kollegen? Soll man sich das Vertrauen des Androiden erlügen, um so den Menschen zu retten oder ehrlich und rational sein und so die Rettung des Mädchens gefährden?

    Die zwei weiteren spielbaren Charaktere Marcus, der als Assistent für einen reichen Künstler arbeitet oder der weibliche Android Kara, die in einem von Gewalt gezeichnetem Haushalt zur Reinigung eingesetzt wird, bereits nahezu vollständig von ihrem Besitzer zerstört wurde und sich immer mehr gegen ihren Eigentümer auflehnt. Im Laufe des Spiels kreuzen sich nun die Wege der drei vom Spieler gesteuerten Androiden. Spätestens als man als Abweichler mit der Figur der Kara auf der Flucht ist, hat man kurz Zweifel an der Figurenkonstellation: Wie soll man mit Spielspaß als Connor ermitteln, um Kara zu fangen, wenn man jeden Schritt von Kara kennt, weil man sich selber dazu entschlossen hat? Zum Glück schafft es das Spiel hier einen auszutricksen. In der Zeit, in der man sich mit Ermittler Connor bewegt, läuft die Story von Kara im Hintergrund ein Stück weiter, sodass man immer noch rätseln muss und Überraschungseffekte hat.

  • Wie ein interaktiver Film

    Die Spielmechanik von Detroit: Become Human hält sich dabei angenehm in Grenzen und gibt auch weniger erfahrenen Spielern die Möglichkeit das Spielerlebnis in Ruhe genießen zu können. Man steuert den spielbaren Charakter durch die Umgebung und kann das jeweilige Gebiet scannen, um auf interaktive Gegenstände und Aktionen aufmerksam zu werden. Diese resultieren dann meistens in sogenannten Quicktime-Events, bei denen der Spieler im richtigen Moment eine angezeigte Kombination auf dem Controller eingeben muss, die sich meistens an das inhaltliche Dargestellte, wie etwa dem Aufheben einer Waffe oder dem Öffnen einer Tür orientiert. Diese Aktionen sind nicht all zu kompliziert und sorgen für eine angenehme Immersion des Spielers, der sich so voll und ganz auf die Story und die moralischen Entscheidungen, vor die einen das Spiel stellt, einlassen kann.

    Denn Detroit: Become Human erzeugt eine enorme Stimmung und Spannung. Bei den Androiden und Kara fühlt man besonders mit, da sie sich in meist scheinbar ausweglosen Situationen befinden, die ein Gefühl der Anspannung, des Stress aber auch der Hilflosigkeit auslösen und so zum mitfiebern animieren. Bei Connor hingegen steht der Wunsch nach einem Ermittlungserfolg im Vordergrund, der dies zunächst durch seine sachliche kühle Herangehensweise noch unterstreicht und sich somit auf das eigene Verhalten überträgt. 

  • Fazit

    Detroit: Become Human weiß auf voller Linie durch seine interessante Geschichte und ansprechende Präsentation zu überzeugen. Die moralischen Dilemmata vor die der Spieler gestellt wird, sorgen nicht nur für einen erhöhten Pulsschlag, sondern regen auch zum Nachdenken an, welches auch lange nach dem Spielen anhält und immer wieder neue Fragen aufwirft. 

    Was zeichnet das Menschsein aus? Wie menschlich ist der Mensch eigentlich? Ab welchem Moment kann man bei Bewusstsein von einer Seele sprechen und wer entscheidet was gut oder böse ist? Videospiel Regisseur David Cage wirft diese Fragen mit seinem Team von Quantic Dream gefühlt im Sekundentakt auf. Zwar sind diese Thematiken für eingefleischte Science-Fiction Kenner nicht wirklich neu, bieten aber durch die interaktive Komponente des Spiels doch eine angenehm frische Auseinandersetzung mit der Thematik. 

    Durch die spielerische Zugänglichkeit bietet sich Detroit: Become Human aber auch perfekt an, mit dem Partner oder einem guten Freund gemeinsam auf dem Sofa zu spielen und angeregt über die getroffenen Entscheidungen und Konsequenzen zu diskutieren. Spielerisch ist Detroit: Become Human zwar keine Offenbarung, sondern kann mehr als ein gut achtstündiger interaktiver Film gesehen werden der garantiert niemanden kalt lässt und mit seinen verzweigten Entscheidungen zum Wiederspielen einlädt.