27.06.2019 | Specials John Entwistle: Unser Porträt über das Genie am Bass von The Who

Er war Gründungsmitglied und fester Bestandteil einer der größten Rockbands aller Zeiten und nicht zuletzt der Erfinder des "Leadbasses". Wir gedenken John Entwistle!

  • Er gilt als einer der besten Bassisten der Rock-Geschichte und war seiner Zeit zweifellos weit voraus: John Entwistle!


	Foto: Bill Abbott - Flickr, CC BY-SA 2.0, Link

    Er gilt als einer der besten Bassisten der Rock-Geschichte und war seiner Zeit zweifellos weit voraus: John Entwistle!

    Foto: Bill Abbott - Flickr, CC BY-SA 2.0, Link

  • Da Pete Townshend weniger der Leadgitarrist war, übernahm Entwistle den Part - man denke nur an das Basssolo im Mega-Hit "My Generation".

    Da Pete Townshend weniger der Leadgitarrist war, übernahm Entwistle den Part - man denke nur an das Basssolo im Mega-Hit "My Generation".

    Foto: UPI / dpa
  • Doch im Gegensatz zu den Kollegen Daltrey und Townshend übernahm John Entwistle auf der Bühne den in sich ruhenden Part.

    Doch im Gegensatz zu den Kollegen Daltrey und Townshend übernahm John Entwistle auf der Bühne den in sich ruhenden Part.

    Foto: Henry Diltz / Warner Music Group
  • Doch obwohl er auf der Bühne eher unauffällig war, prägte er den Sound der britischen Rock-Legenden maßgeblich!

    Doch obwohl er auf der Bühne eher unauffällig war, prägte er den Sound der britischen Rock-Legenden maßgeblich!

    Foto: Henry Diltz / Warner Music Group
  • Leider ging John Entwistle am 27. Juni 2002 viel zu früh von uns - er starb an einem Herzinfarkt, den er aufgrund einer Überdosis Kokain erlitt.

    Leider ging John Entwistle am 27. Juni 2002 viel zu früh von uns - er starb an einem Herzinfarkt, den er aufgrund einer Überdosis Kokain erlitt.

    Foto: Warner Music Group

"Unser Drummer Keith Moon war der große Clown bei The Who, Roger ließ sein Mikrophon kreisen und Pete hat seine berühmten Luftsprünge gemacht, ganz zu schweigen von seinem Windmühlen-Gitarrenanschlag. Da war es für mich das Beste, bei unseren Gigs ganz ruhig stehen zu bleiben." So weit John Entwistle zu seiner Rolle bei The Who - doch damit untertrieb er wohl stark. Denn obwohl man es ihm nicht ansah, hatte er den meisten Spaß auf der Bühne der britischen Rock-Legenden.

John Alec Entwistle wurde am 9. Oktober 1944 in Chiswick, einem Vorort von London, geboren. Als Einzelkind wuchs er in einer sehr musikalischen Familie auf - sein Vater Herbert spielte Trompete und seine Mutter Maud Klavier. Die Ehe seiner Eltern ging allerdings bald nach Johns Geburt in die Brüche und er wurde größtenteils von seiner Mutter im Haus seiner Großeltern in South Acton erzogen. Eine Scheidung war in den 1940er Jahren ungewöhnlich und dies trug dazu bei, dass die Entwistles zurückhaltend wurden und wenig soziale Kontakte knüpften.

Seine musikalische Karriere begann John im zarten Alter von sieben Jahren, als er anfing, Klavierunterricht zu nehmen. Wirklich Gefallen fand er an den Tasten jedoch nicht und wechselte deswegen im Alter von 11 Jahren zum... Waldhorn! Auch nicht wirklich Rock'n'Roll, aber immerhin trat er dem Middlesex Schools Symphony Orchestra bei und sammelte dort seine erste Bühnenerfahrung.

Im zweiten Jahr an der Schule traf er Pete Townshend und die beiden gründeten eine Trad-Jazz-Band, die Confederates. Die Gruppe spielte nur einen Auftritt zusammen, bevor sie entschieden, dass Rock eine viel attraktivere Perspektive war. Insbesondere Entwistle selbst wollte seine Trompete nicht wirklich in ihrer neuen Rockband haben und beschloss, zum Gitarrenspiel zu wechseln. Aufgrund seiner großen Finger und seiner Vorliebe für die tiefen Gitarrentöne von Duane Eddy entschied er sich jedoch, auf den Bass umzusteigen. Ein Glück für uns!

Im Jahr 1962 stieß ein gewisser Roger Daltrey auf der Straße mit John Entwistle zusammen und lud ihn ein, sich seiner Band namens Detours anzuschließen. Entwistle schlug vor, dass sein guter Freund Pete Townshend als Gitarrist der Gruppe beitreten sollte. Sie spielten regelmäßig im Londoner Marquee Club und hatten 1964 ihren Namen in The Who geändert - der Rest ist Rockgeschichte.

Mit seinem filigranen Bassspiel sollte er den Sound von The Who erst einzigartig und da Pete Townshend eher die Rhythmus-Gitarre schrammelte, anstatt aufwändige Soli zu spielen, übernahm das eben der Bassist. Er beherrschte verschiedenste Techniken - Fingerstyle, Plektrum, Slapping und das Einbauen von Harmonien in seine Bassläufe. Er änderte seinen Stil immer wieder zwischen und sogar während einiger Songs, um den von ihm gewünschten Sound zu erreichen. 

Damit beeinflusste er große Bassisten wie Geezer Butler von Black Sabbath, Steve Harris von Iron Maiden, Matt Freeman von Rancid, Krist Novoselic von Nirvana, Cliff Burton von Metallica und und und - kurz gesagt: Er machte den Bass vom Begleit-Instrument zum essentiellen Bestandteil des Rocks und The Who zu einer der größten Bands aller Zeiten.

John Entwistle starb am 27. Juni 2002 im Raum 658 des Hard Rock Hotels und Casinos in Paradise, Nevada, einen Tag vor der geplanten ersten Show der USA-Tour von The Who im viel zu jungen Alter von nur 57 Jahren. Er war an diesem Abend mit einer örtlichen Stripperin ins Bett gegangen, die am nächsten Morgen aufwachte und Entwistle kalt und leblos neben sich fand. Der Clark County-Arzt stellte fest, dass sein Tod auf einen Herzinfarkt zurückzuführen war, der durch eine Überdosis Kokain hervorgerufen wurde.

Heute wäre John Entwistle 75 Jahre alt geworden - deswegen gedenken wir heute einer absoluten Legende am viersaitigen Brummer - Rock in Peace, John Entwistle!