16.09.2019 | Specials Marc Bolan: Unser Porträt über den Godfather of Glamrock

Vom Mod zum Model, vom Folkbarden zum Straßenmusiker, vom Hippie zur Glam Rock-Ikone – in seiner leider viel zu kurzen Karriere hat Marc Bolan viel für unser Lieblingsgenre beigetragen.

Die Hits von T.Rex sind heute absolute Rock'n'Roll-Granaten und gehören in jedes gut sortierte Plattenregal. Doch der Sound von "Bang A Gong (Get It On)", "Hot Love" oder "Metal Guru" erinnert in keinster Weise an die ersten musikalischen Schritte von Frontmann Marc Bolan.

Dabei waren seine ersten Einflüsse durchaus von den ganz großen Rock'n'Roll-Pionieren. Geboren am 30. September 1947 im Osten Londons, kam er durch die Platten seiner Eltern schon im jungen Alter auf Bill Haley & His Comets. Er brachte sich das Gitarrespielen auf selbstgebastelten Instrumenten bei und trat schon in der Schule seiner ersten Band bei.

Schon damals fiel Bolan, der eigentlich Mark Feld hieß, durch seinen Modestil auf. Als Anhänger der Mod-Bewegung achtete er pingelig auf sein Outfit und bekam sogar einen Job als Model. Hier lernte er übrigens keinen Geringeren als David Bowie kennen, mit dem ihn eine enge Freundschaft verbinden sollte.

Seine musikalische Karriere wollte allerdings noch nicht so recht in die Gänge kommen. Mit Akustik-Gitarre bewaffnet, versuchte er sich als "Toby Tyler" an Folk, indem er diverse Bob Dylan-Songs coverte. Da er dem Großmeister scheinbar nicht das Wasser reichen konnte, lehnten ihn alle Labels ab und Marc wollte der Musik schon ganz den Rücken kehren.

Im August 1965 unterschrieb er dann doch einen Vertrag bei Decca Records und veröffentlichte seine erste Aufnahme "The Wizard". Hier erhielt er auch seinen Künstlernamen - allerdings zunächst ohne seine Zustimmung. Decca nannte ihn Marc Bowland, was er an sich nicht schlimm fand, doch hätte er gerne ein Wörtchen dabei mitgeredet. Aus Bowland wurde Bolan und alle waren glücklich.

Seine ersten Songs, bei deren Aufnahmen unter anderem Jimmy Page als Studiomusiker mitwirkte, waren immer noch sehr Folk-lastig. Eine Solokarriere schien schlicht nicht machbar und so entschloss er sich in die Band John's Children an. Unter anderem begleitete die Gruppe The Who auf deren Deutschland-Tour.

1967 rief er schließlich Tyrannosaurus Rex ins Leben - nicht zu verwechseln mit T.Rex, die zwar aus dieser Formation entstanden, soundtechnisch jedoch komplett anders klangen. Hippie-Mentalität und Psychedelic Rock standen hier an der Tagesordnung, immer noch mit Akustikgitarre.

Der Umbruch kam 1970! Aus Tyrannosaurus wurde T., aus Akustik- wurde E-Gitarre und aus Psychedelic wurde Geradeaus-Rock'n'Roll. Die Songs gingen ins Ohr und gewannen durch Bolans Bühnenauftreten noch mehr an Energie und Aufmerksamkeit: Glitzeranzüge, Sternchen im Gesicht, Damenschuhe: Wie schon in seiner Jugend, wusste Marc Bolan, styletechnisch Aufmerksamkeit zu erregen. Er gilt als Pionier des Glam Rocks!

Doch der Erfolg ließ so schnell nach, wie er gekommen war. Bolan war ein Teenager-Idol, doch konnte die musikalischen Erwartungen nicht so lange erfüllen, wie zum Beispiel die Beatles ihrer Zeit. Nach Streitigkeiten innerhalb der Band, löste er T.Rex auf - abgesehen von einem kurzen, aber recht erfolgreichen Live-Revival, Ende 1975.

Die Revival-Tour sollte sein letztes Auftreten in der Musik bleiben. Am 16. September 1977 verunglückte der Wagen von Bolans Frau Gloria Jones und prallte gegen einen Betonpfahl. Bolan, der auf dem Beifahrersitz saß, war sofort tot - zwei Wochen vor seinem 30. Geburtstag!

Trotz seiner viel zu kurzen Karriere hat Marc Bolan einen bleibenden Eindruck auf die Musikwelt hinterlassen - hat er nicht nur zahlreiche Rock-Kracher geliefert, sondern auch dem Kapitel "Live-Performance" ein paar neue Dimensionen beigebracht. 

Wir gedenken einem großartigen Musiker, mit dem passenden Sound auf ROCK ANTENNE!